Helmut Brennwert ist ein absolut Arbeitsloser, überhaupt der absolute Loser. In "Eskalation ordinär. Ein Schwitzkastenschwank in 7 Affekten" erzählt der "Fäkaldramatiker" Werner Schwab mit seiner legendär verschlungenen Sprache von Brennwerts brutalem Niedergang. Seine jämmerliche Präsenz verleitet alle, selbst die eigene "Anverlobte", dazu, ihn zu demütigen, zu vergewaltigen und "mit Straßenköterkot beschmiert, mit Erbrochenem, mit eigenmenschlichem Exkrement oder mit Senf" zu nennen. Also verbrennt sich Brennwert. In der Inszenierung Ali M. Abdullahs am Werk X scheitert Günter Franzmeier sogar daran: Die Streichhölzer wollen nicht brennen.

Ein gelungener Moment tragischer Ironie in einer Aufführung, die auch sonst nicht zündet, trotz durchwegs hochkarätiger Besetzung. Die Crème de la Crème der Wiener freien Theaterszene von Christian Dolezal bis Maddalena Hirschal beherrscht Schwabs genussvolle Grauslichkeiten mühelos, bleibt aber kreativ in seiner Kunstsprache gefangen.

Man wundert sich, dass Abdullah diesen obskuren Schwab aus 1995 ausgrub, zumal er ihn eins zu eins vom Blatt inszeniert. Handschellen bebildert er mit Handschellen, Erde mit Erde, Masturbation mit Masturbation. Einen Einfall hat er doch: Im Hintergrund streicht der Performer Raoul Eisele über den ganzen Abend eine weiße Wand rosa an. Ein Akt der Liebe gegen die aggressiven Liebesakte vorne? Hierbei zuzusehen ist herrlich meditativ und lenkt ab durch die spannende Frage: Wird er bis zum "siebenten Affekt" fertig?