Regisseurin Jacqueline Kornmüller und Schauspieler Peter Wolf - gemeinsam bilden die beiden das freie Ensemble "wenn es soweit ist" - führen seit über zehn Jahren mit ihrer erfolgreichen Ganymed-Reihe anhand von Texten zeitgenössischer Schriftstellerinnen und Schriftsteller szenisch durch Gemäldegalerien großer internationaler Museen.

In ihrer neuen Arbeit, der Uraufführung ihrer Lesart von Haruki Murakamis "Die unheimliche Bibliothek", gehen die beiden den umgekehrten Weg und generieren, ihrem Motto "Kunst antwortet auf Kunst" folgend, zu Murakamis Kurzgeschichte poetisch-theatrale Tableaus. Die 2013 auf Deutsch erschienene frühe Erzählung des 1949 geborenen einflussreichen japanischen Autors kreist um den Verlust der Mutter und des Haustiers eines jungen Mannes. Um den traumatischen Abschied der zwei geliebten Wesen zu verarbeiten, entwickelt der Ich-Erzähler eine zugleich düstere wie immer wieder heiter-ironische Geschichte über Gefangenschaft und Befreiung aus dem dunklen Keller einer labyrinthischen Bibliothek mithilfe eines freundlichen Schafmannes und eines stummen Mädchens.

Das Ambiente des Wiener Odeons, in dessen Säulenhalle Kornmüllers Inszenierung das unheimliche Reich des bibliophilen Verlieses als fragile Landschaft übergroßer, titelloser Bücher erstehen lässt, liefert den eindrücklichen Rahmen für die leichtfüßig-wienerisch von Strottern-Geiger Klemens Lendl erzählte und gesungene und von fünf Darstellern in assoziativ-naive Bilder getauchten Theateradaption.