In der heimischen Kabarett- und Kleinkunstszene war Lukas Wiesner bis dato eher unbekannt. Was daran liegt, dass er sich in den vergangenen Jahren in Frankreich künstlerisch verwirklicht hat. Dort gab er mit Humor und viel Artistik und Jonglage den Ausländer, der den Franzosen erklärte, wie die Welt funktioniert. Seine Fähigkeiten erwarb er in einer mehrjährigen Ausbildung an der Zirkusschule (Esacto’Lido) im französischen Toulouse, wie er der "Wiener Zeitung" nach seiner Premiere im Theater am Alsergrund erzählt hat. Im heurigen Sommer stehen erneut rund 30 Auftritte in Frankreich in seinem Terminkalender.

Dass eine reine Transkription seiner Bühnenprogramme ins Deutsche nicht ohne Weiteres funktioniert, ist ihm bewusst. Das französische Publikum ist einfach ein anderes. Und auch der gemimte Ausländer wäre in seinem Heimatland unglaubwürdig. Und so hat er für Österreich sein neues Programm "Gern Geschehen" entwickelt. Dennoch kommen auch hier Akrobatik und Jonglage nicht zu kurz. Kabarettaffine Besucher lässt Wiesner aufhorchen, wenn er sich auf der Bühne fragt, ob man gegen Ausbeutung sein kann und dennoch bei Amazon einkaufen darf. Im Laufe des Abends folgen noch weitere Widersprüchlichkeiten, mit denen er sich befasst. Etwa, wenn Wiesner den gesundheitsschädlichen Inhalt eines Mistkübels nach einer Corona-Demo auf der Wiener Ringstraße unter die Lupe nimmt.

Neben dem kabarettistischen Teil lässt Wiesner – parallel zu akrobatischen Darbietungen – seine Bälle durch die Luft tanzen. Er weiß, dass er als Jongleur nicht reich wird, weil sein Beruf in der Gesellschaft ganz unten auf der Gehaltsskala steht, zusammen mit all denjenigen, die systemrelevant sind, wie das Pflegepersonal im Spital. Im Widerspruch dazu sieht er sich selbst als irrelevant an, so wie auch den einen oder anderen ganz oben auf der Einkommensskala. Im Rampenlicht wirkt Lukas Wiesner aber glücklich. Kabarettistisch schabt er an vielen Themen - da könnte er in manchen Bereichen gerne tiefer schürfen - und serviert so eine Cuvée aus Artistik, Kabarett und Jonglage. "Gern Geschehen" ist dann auch die Antwort auf den verdienten abschließenden Applaus.