Das Stadttheater Klagenfurt hat am Dienstag sein Programm für die Spielzeit 2022/23 präsentiert. Drei von vier Schauspielproduktionen werden dabei von Frauen inszeniert. Schauspieldirektor Hans Mrak freute sich bei einer Pressekonferenz auch über "starke Frauenfiguren" in Federico Garcia Lorcas "Yerma" (Regie: Alia Luque), Ariel Dorfmans "Der Tod und das Mädchen" (Regie: Mira Stadler) und "Birthday Candles" von Noah Haidle (Regie: Schirin Khodadadian).

Auch Dominic Oley, bekannt als Schauspieler im Theater in der Josefstadt, ist erstmals als Regisseur am Stadttheater Klagenfurt zu erleben. Er wird Michael Frayns Komödie "Der nackte Wahnsinn" kommenden April in Szene setzen. "Hans Mrak konnte die Auslastung im Schauspielbereich auf 80 Prozent steigern", lobte Intendant Aron Stiehl, der in der laufenden Spielzeit mit einer Produktion über den Missbrauchsskandal des inzwischen verstorbenen Kärntner Kinderarztes Franz Wurst bewusst den Finger auf offene Wunden in Kärnten legt.

Insgesamt beträgt die Auslastung in der Corona-Spielzeit laut dem kaufmännischen Direktor Matthias Walter 75 Prozent, auch "weil das Haus nicht so von Touristen abhängig ist wie die Theater in Wien". Mahnender Nachsatz: "Für uns ist Corona aber nicht vorbei. Niemand weiß, was im Herbst kommen wird."

Die Saison wird jedenfalls am 15. September mit Richard Wagners Oper "Siegfried" eröffnet. Der zweite Teil des "Ring des Nibelungen" folgt damit der "Walküre", die vor einem Jahr die Eröffnungsproduktion gewesen ist. Auch diesmal wird Hausherr Aron Stiehl selbst inszenieren, für die musikalische Leitung ist wieder der Australier Nicholas Milton verantwortlich. Gemeinsam steht das Führungs-Duo auch dazu, trotz der aktuellen Diskussionen rund um den Ukraine-Krieg weiterhin mit russischen Künstlern zu arbeiten und russische Komponisten nicht vom Spielplan zu verbannen. So steht kommenden März Igor Strawinskys Ballett "Der Feuervogel" in Kombination mit Gesängen der "Carmina Burana" auf dem Programm.

"Hiob", eine Oper in zwei Akten von Bernhard Lang, entstand als Kompositionsauftrag des Stadttheaters. Regisseur Michael Sturminger kommt für die Uraufführung wieder nach Kärnten und wird sein Libretto nach dem gleichnamigen Roman von Joseph Roth selbst inszenieren. Die alttestamentarische Geschichte in der Version von Roth habe eine derart musikalische Sprache, "dass sie geradezu nach einer Vertonung schreit", schwärmte Stiehl.

"Unsere Arbeit ist die Herzensöffnung", sagte Chefdirigent Nicholas Milton, der mit dem Kärntner Sinfonieorchester die erfolgreiche Konzerttätigkeit fortsetzt. Dabei sind im Konzerthaus Klagenfurt acht Konzerte von Bernsteins "West Side Story" bis zu den Klassikern Bach und Beethoven angesetzt. Das Bühnenprogramm im Stadttheater wird mit Verdis "Un ballo in maschera", der Künneke-Operette "Der Vetter aus Dingsda" und dem Musical "The Sound of Music" von Oscar Hammerstein und Richard Rodgers vervollständigt.

Kindertheaterproduktionen mit dem Theater WalTzwerk und dem Theater KuKuKK, zwei Ensembles der freien Szene in Kärnten, ergänzen die große Kinderproduktion im Haupthaus, das Kindermusical "Die Klettermaus" in der Regie von Christoph Levermann.

Kabarett, Konzerte und Lesungen runden als "Statt Theater-Programm" das kulturelle Angebot ab. Neben der traditionellen Langen Nacht der kurzen Musik kommen die Wladigeroff Brothers & Friends mit einer CD-Präsentation, Polly Adlers "Nymphen in Not", "Die Staatskünstler", Erika Pluhar und Waltraud Meier zu Besuch. Außerdem lädt Intendant Aron Stiehl mit bisher Corona zum Opfer gefallenen Grammophon-Abenden in sein Büro ("Fülle des Wohllauts"). (apa)