Erstaunlich, was die Bundestheater alles im Fundus bunkern. Und irgendwie beruhigend. Elf Jahre ist es her, dass sich die Staatsoper den verzopften "Figaro" von Regisseur Jean-Louis Martinoty eingehandelt hat. Ein Glück freilich, dass die Vorgänger-Version weiter im Archiv verblieb: Es erlaubt Direktor Bogdan Roščić, den Flop durch den Klassiker von Jean-Pierre Ponnelle zu ersetzen und diesem Bühnenmethusalem von 1972 ein zweites Leben zu gewähren - jedenfalls, bis im nächsten Jahr eine neue "Figaro"-Produktion aufschlägt, diesmal von Roščićs Vertrauensmann Barrie Kosky. Wobei: Angesichts dessen, dass Kosky den "Giovanni" hier zuletzt auf den Mond gebeamt hat, wäre es kein Fehler, Ponnelles steinernem Jagdschloss weiterhin einen Ehrenplatz im Kulissenlager zu gewähren. Als eine sichere Mozart-Bank.

Dass am Dienstag beim Ponnelle-Abend Kicherwellen durch den Saal rollen, kommt nicht von ungefähr: Peter Kellner (Figaro), unverwüstlicher Charmebolzen trotz der Ohrfeigen seiner Verlobten, sichert sich ebenso die Lacher wie Michael Nagy als täppischer Lustgraf. Stephanie Houtzeel, köstlich agil als kokette Alte, tauscht mit Regula Mühlemann (vokal makellos als Susanna) allerlei Giftspitzen, während Isabel Signoret (Cherubino) und Johanna Wallroth (Barbarina) aparte Akzente setzen. Insgesamt eine respektable Gesangsleistung, aufgewertet um die dunkel timbrierte Luxusstimme von Maria Bengtsson (Gräfin) und ein dynamisches, mitunter fein abgestuftes Orchesterspiel unter Adam Fischer.