Vier Opernabende, 16 Musikstunden, mehr als 30 Gesangssolisten und ein brechend voller Orchestergraben: Wagners "Ring des Nibelungen" ist nicht nur ein Prüfstein für Sänger und das Sitzfleisch des Publikums, sondern auch für jeden Staatsoperndirektor. Besitzt er das goldene Händchen für die Besetzung des Göttermythos, den es alle paar Jahre auf die Repertoirebühne zu wuchten gilt? Der Beginn des ersten "Ring"-Zyklus der Ära Roščić (zwei Durchläufe sind im Mai zu erleben) lässt vorerst ein silbernes Händchen vermuten.

Glanz, aber auch Schatten

Die Regie? Eine Altlast der Nullerjahre. Sven-Eric Bechtolf hat den "Ring" damals insofern repertoiretauglich gestaltet, als es sich mit dieser Ödnis zähneknirschend leben lässt. Das gelingt natürlich mit Dirigent Axel Kober umso besser: Der Bayreuth-Mann öffnet dunklen Klangfluten die Schleuse und illustriert das Drama mitunter fast geräuschhaft. Glänzend die Sängerschaft dieses "Rheingolds", beginnend schon mit drei gediegenen Flusstöchtern. Jochen Schmeckenbecher überzeugt als spielfreudiger Alberich mit Hang zu Sprechgesang; Jörg Schneider vermittelt den Jammer des Mime ohne Gnomengenäsel; der Witz des Feuergotts Loge findet im Strahletenor Daniel Behles ein Paradesprachrohr. Und während die Riesen entsprechend Schallmacht entfachen, läuft Monika Bohinec zur resoluten Fricka-Hochform auf. Allein, von ihrem Göttergatten lässt sich das nicht behaupten. Eine Vielzahl herb angeschliffener Noten bringt John Lundgren, trotz seiner Hingabe, im Schlussjubel einige Buh-Rufe ein. Bleibt zu hoffen, dass sich Wotans Formkurve bis zur "Walküre" am Sonntag steigert.