Die Befürchtungen haben sich nicht bestätigt: Nein, es musste am Sonntag kein Wotan-Ersatz von einem Wiener Imbissstand weggelockt werden wie 2007, als Juha Uusitalo während der "Walküre"-Premiere an der Staatsoper unvermutet die Luft ausging. John Lundgren, am Beginn des aktuellen "Ring"-Durchlaufs bescheiden bei Stimme, hat die fünf Stunden der "Walküre" wacker durchgestanden und keine Buhs ausgefasst wie jüngst noch im "Rheingold". Was zum einen daran lag, dass der Schwede mit der flackerhaften Tongebung diesmal nicht gar so viele Töne herb anschliff; zum anderen aber auch daran, dass er sich vor dem dritten Aufzug als indisponiert ansagen ließ (wegen einer allergischen Reaktion).

Inbrunst mit Klangkultur

Die Trümpfe des Abends lagen in Frauenhand: Nina Stemme belegte nachdrücklich, dass sich die Inbrunst der Brünnhilde mit den Ansprüchen einer sublimen Klangkultur vereinbaren lässt; Simone Schneider (eingesprungen für den Shooting-Star Lise Davidsen) verlieh den Melodiebögen der Sieglinde hohe Innenspannung und den Spitzentönen stupende Leuchtkraft. Eine Wohltat auch das Debüt von Stuart Skelton (Siegmund), der menschelnde Klangwärme mit heldischen Attacken verband. Und Dmitry Belosselskiy als Hunding? Besitzt einen üppigen Schurkenbass, trieb sein Spiel mit den Möglichkeiten des Sprechgesangs aber etwas weit. Monika Bohinec unterstrich erneut ihre Kompetenz für die Zornesschübe der Fricka, während Axel Kober das Orchester vital leitete, doch nicht in die Region einer Ausnahmeleistung führte. Noch Luft nach oben also für "Siegfried" an diesem Samstag.