Autismus oder, so die neue Sprechweise Neurodiversität, ist gegenwärtig so etwas wie Modediagnose. Das Krankheitsbild ist vielfältig, kann gerade bei Kindern und Jugendlichen viele Varianten und Variationen annehmen.

Ein Jugendbuch wie "Supergute Tage oder Die sonderbare Welt des Christopher Boone" des britischen Autors Mark Haddon ist ein Glücksfall. Behutsam nähert sich der britische Autor dem Protagonisten an, bringt einem seine Gedankenwelt nahe. Christopher fühlt sich am wohlsten, wenn alles einer vertrauten Ordnung folgt, bereits eine Fahrt mit der U-Bahn stürzt ihn in ein emotionales Chaos, das er insofern löst, indem er die Welt mit irrwitzigen-mathematischen Formeln vermisst. Relaxen mit Mathematik. Haddons Buch wurde mehrfach ausgezeichnet, ist mittlerweile Schullektüre und wurde vom bekannten britischen Dramatiker Simon Stone gekonnt für die Bühne bearbeitet.

Neben der Spur

Im Theater im Zentrum, der Innenstadt-Dependance des Theaters der Jugend, setzt Regisseurin Carmen Schwarz das Stück, in dem Christopher Boone wie nebenher auch einen Kriminalfall löst, die Trennung seiner Eltern verarbeitet und eine wichtige mathematische Prüfung besteht, stimmig um.

Die Bühne besteht aus variablen Teilen, die von den Akteuren behände verschoben werden. Vor allem Jaspar Engelhardt gelingt eine überzeugende Darstellung des Protagonisten: Ganz sachte neben der Spur siedelt er seinen Christopher Boone an. Chapeau.