Feucht-fröhlich. Das ist wohl das passende Adjektiv, mit dem sich "Sextett", die neue Produktion im Wiener Gloria Theater, am besten beschreiben lässt. Fröhlich, weil es ein ideal besetztes und höchst unterhaltsames Sechs-Personen-Kammerlustspiel ist. Und feucht – oder eigentlich eher: nass –, weil nicht nur Christoph Fälbl darin baden geht. Und zwar gefühlt im Minutentakt.

Warum? Weil das Ganze auf einer Jacht spielt und er den tollpatschigen und trotteligen Dennis gibt, der mit seiner Frau Valerie (Claudia Rohnefeld) von seinem Chef Robert (Dorian Steidl) auf einen Törn mit dessen Jacht eingeladen. Freilich nicht ohne Hintergedanken, denn Valerie betrügt Dennis mit Robert – oder möchte es. Völlig unerwartet taucht nämlich plötzlich Roberts Fast-Ex-Ehefrau Lisa (Adriana Zartl) kurz vor dem Ablegen auf dem Boot auf und bringt damit alle Techtelmechtel-Pläne durcheinander. Das Ensemble vervollständigen Andreas Steppan als Dramatiker Philipp – der als arroganter Dandy Dennis ständig verarscht – und Sophie Riedl als seine Geliebte Mimi.

Dennis (Christoph Fälbl) ist wieder einmal ins Wasser gefallen. Statt seiner Frau Valerie (Claudia Rohnefeld) trocknet ihn Mimi (Sophie Riedl) ab. 
- © Gloria Theater

Dennis (Christoph Fälbl) ist wieder einmal ins Wasser gefallen. Statt seiner Frau Valerie (Claudia Rohnefeld) trocknet ihn Mimi (Sophie Riedl) ab.

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Jedenfalls fällt nicht nur Fälbl laufend ins Wasser - auch sonst wird viel gebadet, nämlich in Klischees. Das aber durchaus mit Niveau. Hier haben sich sechs gefunden, die Michael Pertwees Gagfeuerwerk um ein mehrfaches amouröses Verwirrspiel mit viel Herz und noch mehr Klamauk umsetzen. Intendant Gerald Pichowetz, der hier selbst Regie führt, jagt sein "Sextett" durch das wirklich hübsch gestaltete Bühnenbild einer zweistöckigen Jacht, die zwar zwei Treppen hat – aber zumindest Fälbl nimmt in der Regel den hinteren Abgang ins Wasser. Und kommt dann tatsächlich patschnass wieder zum Vorschein.

Und dann auch noch ein Sonnenbrand . . . 
- © Gloria Theater

Und dann auch noch ein Sonnenbrand . . .

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Als Running Gag taugt diese Slapstick-Einlage ebenso wie seine Kontaktlinsen-Verluste, die für irrwitzige Situationen sorgen. Überhaupt beweist der kleine "Glatzenschlumpf" (Zitat aus dem Stück) sein großes komödiantisches Talent, wobei Rohnefeld durchaus auf Augenhöhe mit ihm spielt, und das nicht nur physisch. Zartl und Riedl zeigen derweil einiges an nackter Haut auf dem Sonnendeck, während die Männer eine Etage weiter unten, nun ja, vor allem Bauch zeigen. Man ist halt doch in die Jahre gekommen, und entsprechend gesetzt wirkt Steppan als Möchtegern-Sugardaddy (dem Riedl als nur scheinbar naive Tussi zur Seite steht). Zum Brüllen komisch ist er trotzdem, wie er sich als treuer Freund Roberts und auch Lisas (hier gerne auch ein bisschen mehr) durchlaviert bei diesem (für alle Beteiligten) verhinderten Liebestörn. Ein Kammerlustspiel, wie man es sich vom Gloria Theater erwartet.