Den Aufreger des Abends gab es erst nach Vorstellungsende. Da verlas Regisseur und Werk-X-Hausherr Harald Posch eine Erklärung, wonach Witalij Korolew, der Autor des eben als deutschsprachige Erstaufführung gezeigten Stückes "Opium", nicht nach Wien habe kommen können, da ihm die österreichische Botschaft in Moskau kein Visum ausgestellt hatte - weil es nicht sicher sei, dass er Österreich wieder rechtzeitig verlasse. Laute Buhs die wenig überraschende Reaktion des Publikums.

Einiges bleibt ungewiss

Was zuvor passierte: Kolya (Sören Kneidl), der in der weißrussischen Provinz mit Bruder und Mutter (Sylvia Haider) im Plattenbau (Bühne & Kostüm: Daniel Sommergruber) lebt, wird mangels besserer Job-Alternative als Söldner an die Donbas-Front des Jahres 2014 verschlagen. Ob er zurückkehrt: ungewiss. Andrej (Niklas Doddo), die Hoffnung der Familie, will Geschichte in Minsk studieren, doch kurz nach den Aufnahmeprüfungen gerät er mit einem Freund erst politisch, dann körperlich aneinander. Ob er überlebt: unklar. Das Stück, dessen Szenen durch Gesangs- und Infonummern über fragwürdige Österreich-Connections nach Russland (Victoria Nikolaevskaja) voneinander getrennt sind, bricht da einfach ab.

Posch inszeniert "Opium" schnörkellos-nüchtern, die hinzugefügten Textelemente und die Zwei-Mann-Liveband fetten das an sich etwas dünne Sozialdrama zwar noch etwas an, es berührt trotz der aktuellen Bezüge gleichwohl nur selten. Vielleicht auch, weil unser aller (TV-)Realität gerade eine noch ärgere ist.