"Enoch Arden" von Ottmar Gerster zählte Mitte des 20. Jahrhunderts zu den häufig gespielten Opern. Heute kennt nahezu niemand den Namen des deutschen Komponisten sowie das 1936 uraufgeführte Werk. Roland Geyer hebt am Ende seiner Theater an der Wien-Intendanz den Stoff wieder ins Bewusstsein: Die Neuproduktion, die am Dienstag in der Kammeroper ihre Premiere erlebte, ist zu 100 Prozent gelungen. Sie passt dem und in das Haus wie angegossen.

David Haneke hat den Plot perfekt ins Heute geholt, das Vergangene mit dem Neuen verbunden. Die Videos sind sowohl in ihrer ästhetischen Umsetzung als auch in ihrer dramaturgischen Platzierung ideal.

Kapitän Enoch Arden (eindringlich verkörpert und gesungen von Markus Butter) erleidet mit seiner Brigg "Annemarie" Schiffbruch. Zwölf lange Jahre bleibt er verschollen und wird schließlich für tot erklärt. Als er endlich zurückkehrt, hat seine Frau (sehr gut: Valentina Petraeva), sie trägt denselben Namen wie das Schiff, den Müller Klas (Andrew Morstein) geheiratet, der sich in Enochs Abwesenheit auf dessen Geheiß um sie kümmern sollte. Sein Sohn (entzückend Samuel Wegleitner) steht unmittelbar davor, zum ersten Mal in See zu stechen. Da für Annemarie ihr einstiger Mann nach so langer Zeit ein Fremder ist, beschließt Enoch Arden sich nicht zu erkennen zu geben.

Geyer hat durch szenische Umstellungen klug in die Chronologie des Stücks eingegriffen. Der 90-minütige Abend setzt sofort auf hohem Spannungsniveau ein und lässt Bühnenrealität und Illusion ineinanderfließen. Im Graben spielt das Wiener KammerOrchester die Einrichtung von Matthias Wegele. Dazu kommen vorweg aufgenommene Einspielungen der originalen Orchesterbesetzung. Gersters Tonsprache ist bewusst simpel, für alle verständlich gehalten und setzt voll auf Leitmotivik. Walter Kobéra gelingt ein herrlich ausbalanciertes und die Handlung voll unterstreichend beziehungsweise hervorhebendes Ergebnis.