Sie torkelt in angedeuteten Ballettschritten über die Bühne, Augen und Körperspannung sind auf Halbmast. Auf einem Sessel hängen abgelegte Flügel. Schon die ersten Bilder zeigen, wie es der Protagonistin von Buhle Ngabas monologischem Stück "Swan Song" ergehen wird - nur weiß man noch nicht, warum. Am Ende wird sich der Körper aber doch spannen, werden die Augen längst klar sein. Das Dazwischen ist ein 45-minütiger Mix aus Familiengeschichte, Mythenverschränkung, Liebesthriller, Selbstfindungstrip und Stand-Up-Comedy. Das klingt nach gar viel und könnte leicht mühsam sein, ist aber nicht nur witzig, sondern auch poetisch und sehr sympathisch.

Schon als Kind hat die Frau in ihrer Heimatstadt Taung in der Nordwestprovinz Südafrikas Komplexe wegen ihres Körpers. Ihre Schulterblätter stehen weiter auseinander als normal - also tatsächlich wie Flügel. In Taung ist das kein Engelssymbol, sondern ein dämonisches. Sie verlässt die frauenreiche Familie - der weiße Vater vertschüsst sich, nachdem sein "Dschungelfieber" nach der Affäre mit ihrer Mutter abgekühlt ist - und geht an die Uni nach Johannesburg. Dort trifft sie Oliver, in den sie sich verliebt. Und mit Liebe kennt sie sich aus, hat doch die ganze Familie Soap Operas studiert. Oliver bringt sie dazu, ihre "Flügel" operativ entfernen zu lassen. Am Ende sind nicht nur Flügel, sondern auch Oliver weg.

Buhle Ngaba. - © Shaun Oelf
Buhle Ngaba. - © Shaun Oelf

"Swan Song" hat eine unaufdringliche Metaphorik, in die man einiges lesen kann - vom naheliegenden Hässlichen Entlein über Coming of Age bis zur Demütigung durch den Geliebten, bei dem man sich am schönsten fühlt - aber auch am verletzlichsten. Buhle Ngaba spielt mit Lichtkorridoren und -effekten, die sie mit ihrer Stirnlampe erzeugt, die und die Flügel und eine leise Portion Ironie für den Selbstoptimierungsfimmel sind so ziemlich das einzige, was sie braucht, um ihre Geschichte berührend packend und sehr heutig zu erzählen.