Wer den Siegfried in Wagners "Ring des Nibelungen" mimen will, hat mehr als vokale Bärenkräfte nötig. Es braucht auch eine heldische Geistesstärke, um dem Gedächtnis nicht nur hunderte Töne in der richtigen Reihenfolge, sondern auch fast ebenso viele Worte im berüchtigten Wagnerdeutsch zu entlocken ("Um die Rückkehr ist’s mir jach!").

Worte, die Michael Weinius im dritten Aufzug der "Götterdämmerung" am Donnerstag hörbar schwanden. Der schwedische Tenor hielt sich bei seinem Flirt mit den Rheintöchtern streckenweise mit collagierten Textfetzen über Wasser - und den Souffleur entsprechend auf Trab. Dennoch: Respekt vor dieser Stimme. Wie schon im "Siegfried", steigert sie sich von einer anfangs zweckmäßigen Kernigkeit zu einigen Glanzmomenten von geschmeidiger Differenziertheit; dabei lässt dieser Siegfried auch am letzten "Ring"-Abend gern seine schelmisch-rustikale Seite aufblitzen.

Würdig und recht, dass am Ende dennoch Nina Stemme die meisten Bravi entgegenschallen: Die Parade-Brünnhilde unterstreicht ihren Sonderrang mit einer mythischen Bühnenpräsenz, einem schier unverwundbaren Stimmfundament und der herben Sinnlichkeit ihrer Schreckensrufe: Eine Schmerzensfrau, deren Vibrato zwar hier und da die immensen Anforderungen der Partie verrät, die dieser Anspannung aber dramatische Qualität zu verleihen weiß, statt darob die Gestaltungshoheit über ihre weise Witwenrolle zu verlieren.

Charismatisch auch ein anderer "Ring"-Routinier, nämlich Albert Dohmen: Als Hagen bringt er einen grubentiefen Bass dräuend zur Wirkung, schlägt im Duett mit Vater Alberich (differenziert: Jochen Schmeckenbecher) aber auch fragile Töne an. Dazu einige Leistungen aus der Qualitätsmitte: Clemens Unterreiner verleiht dem Gunther das Gepräge eines angespannten Pantoffelhelden, Regine Hangler der Gutrune einen schneidigen, doch eher starren Sound, während die Gibichsmannen ihre Zechrufe solide donnern. Eher unauffällig bleiben die Nornen und Rheintöchter, eine Wohltat dafür: Szilvia Vörös als Waltraute, die ihren Kurzauftritt mit leuchtenden Legatotönen aufwertet.

Und der Dirigent? Axel Kober läuft mit dem (fast) patzerfreien Orchester zur Hochform auf, changiert zwischen feiner Farbmalerei und kantiger Blech-Härte, zwischen gedehnten Ruheoasen und gerafften Tempi. Trotz fünfstündiger Dauer: Ein kurzweiliges Vergnügen, am Schluss auch mit entsprechendem Jubel für Dirigent und Ensemble bedankt.