Von alten Welten, die ausgedient haben, würden die Texte berichten, und von neuen Welten, die auf uns zukommen. Mit dieser Ankündigung leitet Kate McIntosh ihren Abend bei den Wiener Festwochen ein, den man nüchtern als "Konzert" oder als "Lesung mit Musik" bezeichnen könnte. Beides wäre strenggenommen richtig, täte McIntoshs rauschhaft brodelnder Show "To Speak Light Pours Out" aber höchst unrecht. Die in Brüssel lebende Neuseeländerin versammelt in der Mitte des Brut Nordwest, auf allen vier Seiten von Zuschauertribünen umgeben, ein multilinguales Quartett: Sie selbst begrüßt das Publikum auf Englisch, Ghyslaine Gau auf Französisch, Arantxa Martinez auf Spanisch und Anja Müller auf Deutsch.

Im Sog von Rhythmus und Sprache: Kate McIntosh (liegend). - © Rolf Arnold
Im Sog von Rhythmus und Sprache: Kate McIntosh (liegend). - © Rolf Arnold

Die poetischen, meist feministischen Texte von Paul B. Preciado über Donna Harraway bis David Bowie, ergänzt durch eigens für die Performance Geschriebenes von Tim Etchells (Forced Entertainment), dienen ihrerseits als Musik und werden Teil eines umfassenden Sounds, in dem nicht nur die Einzelteile des Schlagzeugs, sondern auch der unebene Bühnenboden und die Hocker als Instrumente zum Einsatz kommen. Sichtlich erfreut über die vermeintliche Spontaneität ihrer Jamsession experimentieren die Frauen mit diversen Rhythmen und entwickeln eine soghafte Dynamik, die die einzelnen Inhalte in den Hintergrund rückt.

"Das Erleben einer Live-Performance kann den Herzschlag der Zuschauenden in Gleichtakt bringen", wird an einer Stelle eine Studie zitiert. Das überrascht an diesem wohlig erhebenden Abend niemanden.