Drei Tische, die man mit einiger Sicherheit aus dem Sperrmüll gerettet hat, eine Obstkiste, ein Umzugskarton, zwei Radios, retro, eine Metallleiter, auf der ein rot baumelndes Lämpchen je nach Bedarf manuell ein- und ausgeschalten werden kann, und jede Menge Kabel - mehr brauchen Johanna Orsini und Martina Spitzer nicht, um mit ihrem gemeinsam zusammengestellten Theaterabend "wannst net sterbst sehn ma uns im nächsten herbst" in das literarische Multiversum Elfriede Gerstls zu tauchen.

Die beiden so unterschiedlichen wie kongenialen Schauspielerinnen setzen die von ihnen ausgewählten Texte in das Setting einer fiktiven Radiosendung, in der Biografisches über die 2009 verstorbene Dichterin klug mit Literarischem verwoben wird - Aphorismen, Hörstücke, die eigentlich Schaustücke sind, Gedichte, Prosa und ein Interview stehen auf dem Programm. Dazwischen spielen sie Musik, jazzig bis sentimental, während sie sich weiter in Gerstl-Texten unterhalten. Kochen Kaffee, servieren sich Kekse und Apfelspalten und genießen am Ende ihr weiches Ei mit Schnittlauchkrone.

Texte von Elfriede Gerstl als fiktive Radiosendung: Martina Spitzer (l.) und Johanna Orsini. - © Anna Stöcher
Texte von Elfriede Gerstl als fiktive Radiosendung: Martina Spitzer (l.) und Johanna Orsini. - © Anna Stöcher

Das Kaffeehausfeeling macht angesichts der Textauswahl auch ziemlichen Sinn, sind die Sprach- und Lebenswelten von Gerstls meist autofiktionalen Figuren doch auf vielfache Weise dort angesiedelt, auch wenn ihre "gellend leichten" Texte weit darüber hinausweisen. Im Männerschlafrock und grauen Haar steht sie da, die Wiener Seele, bluesig und gar nicht so schön, wie man sie so gerne heraufbeschwört, an diesem bitterzarten Theaterabend.