Wenn Hamlet seinen berühmten Monolog "Sein oder Nichtsein" beginnt, erhebt sich ein junger Fliegerleutnant im Publikum und nützt die Chance, um die attraktive Gattin des Hamlet-Darstellers ungestört in ihrer Garderobe zu besuchen. Auf dieser Szene beruht der Titel des Stücks "Sein oder Nichtsein" von Nick Whitby, das jüngst in der Wiener Scala Premiere hatte. In dieser "Komödie" nach dem legendären gleichnamigen Film von Ernst Lubitsch aus dem Jahr 1942 lauert jedoch hinter jedem Lacher auch das Grauen. Brandaktuell daran ist, dass es um Sein oder Nichtsein, also um das Überleben, in einem Krieg geht, den ein scheinbar übermächtiger Aggressor gegen ein kleineres Land führt.

"Sein oder Nichtsein", Ernst Lubitschs fulminante Anti-Kriegs-Komödie ist ein Bühnenhit und nun im Theater Scala zu sehen.  
- © bettina frenzel

"Sein oder Nichtsein", Ernst Lubitschs fulminante Anti-Kriegs-Komödie ist ein Bühnenhit und nun im Theater Scala zu sehen. 

- © bettina frenzel

Eine Theatertruppe im Widerstand

Nur keine "Provokation" des Feindes, denkt man im August 1939 in Warschau und verbietet dem Polski-Theater eine Komödie über Nazi-Deutschland. Doch kurz darauf marschieren Hitlers Truppen trotzdem ein, das Ensemble sieht sich im Widerstand gegen SS und Gestapo und zieht nun alle Register. Die Handlung ist völlig unrealistisch – schon an der Sprache würde es scheitern, dass Polen in Nazi-Uniformen ihre Gegner ständig täuschen –, aber sehr unterhaltsam, vor allem, wenn man das Theater mit seinen Eitelkeiten und Eifersüchteleien und Shakespeare-Zitate liebt. An der Inszenierung und Raumgestaltung von Marcus Ganser ist wenig auszusetzen, alle Rollen sind gut besetzt. Die Schauspieler, unter denen Wolfgang Lesky (Josef Tura) und besonders Sophie Prusa (Maria Tura) herausragen, nutzen die sich hier oft bietende Gelegenheit zu einem hemmungslosen, aber passenden Outrieren.