Die Sehnsucht, den Tod zu überlisten, ist wohl so alt wie die Menschheit. Mythen, Romanfiguren wie Graf Dracula, Horrorfilme, in denen Zombies ihr Unwesen treiben, erzählen von jenem Schattenreich, das den Lebenden verborgen bleibt.

Wie stellt sich nun das digitale Zeitalter diese ewige Frage? Antworten darauf sucht die deutsche Künstlergruppe "Laokoon" in ihrer jüngsten Theaterarbeit "Keine Menschenseele".

Entfesselte Technologie

Die weitläufige Bühne im Kasino am Schwarzenbergplatz ist mit neun leeren Serverschränken und viel grellgrünem Kabelsalat bestückt und wird von vier Schauspielern bevölkert. In bunten Kostümen, die ein wenig an den Sci-Fi-Look von "Raumschiff Enterprise" erinnern, geben die vier anfangs recht wirres Zeug von sich: "Pferde fressen keinen Gurkensalat", "Hallo, ihr Punschkrapferln" oder: "Könnt ihr mich hören?"

Im Lauf der 100-minütigen Vorstellung schält sich indes aus den halbgaren Sprachexperimenten ein Handlungsgerüst heraus: Peter, grandios verkörpert von Philipp Hauß, hat eine Start-up-Firma namens Euphonia gegründet, die Verstorbene wieder zum Leben erwecken vermag - zumindest online. Aus dem digitalen Vermächtnis eines Menschen bastelt Mastermind Peter einen Chatbot, eine künstliche Intelligenz, die nach dem Ableben der Person Gespräche mit der Originalstimme simulieren kann. Firmeninhaber Peter ist gleich sein erster Kunde, weiters tritt Ella (Caroline Baas) auf den Plan, im wirklichen Leben war sie Klima-Aktivistin, ihre Agenden setzt sie nun als Avatar fort. Walter (Hans Dieter Knebel) steht symbolisch für all jene, die sterben, ehe sie Frieden mit ihren Familien geschlossen haben; und eine ganz besondere Kunstfigur ist der digitale Wiedergänger von Erzherzog Ludwig Viktor, dem Bruder des Habsburgerkaisers Franz Joseph. Der historischen Persönlichkeit wurde Homosexualität attestiert, die Bühnenfigur Luziwuzi (Lukas Watzl) verkörpert eine ungemütliche Mischung aus Queerness und Konservativismus, als Influencer geht Luziwuzi viral.

Firmen wie das fiktive Euphonia gibt es tatsächlich. Die "Laokoon"-Theatermacher Moritz Rieseweck und Hans Block haben in ihrem Sachbuch "Die digitale Seele" erforscht, wie Künstliche Intelligenz den Traum von der Unsterblichkeit beflügelt.

Im Theaterabend wird aus dem brisanten Thema bedauerlicherweise ein recht banales Trauerspiel. Die vier Schauspieler arbeiten sich redlich durch die dürre Vorlage, die allzu simpel vor einer entfesselten Technologie warnt.