Fünf Mal die große Glocke, vier Mal die mittlere und fünf Mal die kleine, so läuten die Glocken, wenn ein Mann stirbt, wird ein Kind zu Grabe getragen, entfällt die große, stattdessen wird die melodiösere kleine Glocke angeschlagen. All das und noch viel mehr über Glocken erfährt man im Theaterabend "We had a lot of bells", der nun im Rahmen der Wiener Festwochen im Schauspielhaus uraufgeführt wurde.

Der australische Theatermacher Damian Rebgetz nimmt für seine zweistündige szenische Glockenerkundung Alain Corbins historische Studie "Die Sprache der Glocken" aus 2017 zum Ausgangspunkt.

Das Buch des einfallsreichen 86-jährigen französischen Historikers ist eine veritable Entdeckung und offenbart einen Jahrhundertstreit um die Glockenhoheit in Frankreich. Das Glockengeläute, das den Tagesablauf vor allem in den ländlichen Regionen ordnete und beherrschte, wurde nach der Französischen Revolution im Jahr 1789 zum Gegenstand erbitterter, zum Teil gewaltvoller, aber auch herrlich-absurder Auseinandersetzungen auf regionaler und nationaler Ebene.

Auf der Bühne des Schauspielhauses hängen am Beginn der Vorstellung noch zahlreiche Glocken in unterschiedlichen Größen, drei Schauspieler bringen sie zum Läuten und führen recht launig in Corbins Studie ein, begleitet werden die Akteure von sieben Musikerinnen und Musikern. Im Lauf der Aufführung kippt das Gespräch über die historische Bedeutung von Glocken zunehmend in einen sinnentleerten Sprechchor. Die Akteure stimmen Gesänge an, gegen Ende wird fast nur noch musiziert. Der Theaterabend zerfranst, verliert an Kontur und Inhalt, wird etwas langatmig.