Lüg mich an, dann ist die Welt in Ordnung, könnte eine Erkenntnis aus der neuen gleichnamigen Uraufführung des aktionstheater ensembles sein. Lüg mich an, und es gäbe keinen Krieg. Nicht den der eigenen Seele, den vor der Haustür und auch nicht den in der sogenannten Ferne.

- © aktionstheater ensemble
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Rücken Konflikte, ob die eigenen oder die der anderen, in die Nähe, tut es dann so richtig weh, werden quälende Trivialitäten, die umgelegt aufs "große Ganze" keine bleiben, schmerzhaft, dieses Mal sogar mit Blut und Bissen.

Herzhaft werfen an diesem Abend die mit den Realnamen der Schauspieler ausgestatteten Figuren ihre täglichen Rassismen, Faschismen und Aggressionen in bitterbösen Brachialtiraden um sich. "Lüg mich an und spiel mit mir", die neue Regiearbeit von Martin Gruber, eine Fortschreibung von "Pension Europa" aus 2014, eröffnet im Werk X aber auch eine neue Facette des "aktionstheater"-Universums, reagieren die Darsteller vermehrt und direkter aufeinander, statt wie gewohnt raubtierhaft auf das nächste Stichwort für den nächsten Monolog zu warten.

Die runden Bullaugen an der rückwärtigen Projektionswand (Ausstattung: Valerie Lutz) geben parallel dazu den Blick frei auf reale Kriegsorte, die auch mal ins Publikum schwenken und sich gegen Ende hin zu Nahaufnahmen nackter Haut verdichten. Gesellschaft wird hier als alltäglich albtraumhafte Anhäufung humaner Verwerfungen mit sich selbst befasster "ordinary people" erzählt, die sich einzig in den choreografischen Momenten der Inszenierung als solche zu erkennen gibt: suchend und verzweifelt.