Auf die Frage, warum die Kostüme von Batman und Robin in seiner Regie Nippel besitzen, antwortete Joel Schumacher einmal knapp: "Weil das ein Joel-Schumacher-Film ist." Das war nicht sonderlich erhellend, passte irgendwie aber doch gut zu den letztlich zwei Batman-Streifen des Amerikaners, weil die insgesamt stark sinnbefreit wirkten.

Die Frage, warum neuerdings Dracula, Frankensteins Monster und Gummienten das Haus für Mozart zieren, ließe sich analog beantworten: Weil die Salzburger Pfingstfestspiele Rolando Villazón mit der Regie betraut haben. Welche Folgen so ein Engagement zeitigen kann, ist spätestens klar, seit der einstige Prachttenor Donizettis "Viva la Mamma" an der Wiener Volksoper mit Blickfutter aus "Star Wars" gekreuzt hat. Ja, das sollte eine Satire auf das Regietheater werden, endete aber als patscherte Persiflage.

Einfach albern

Nun verantwortet der Mexikaner Rossinis "Il barbiere di Siviglia" und beschert dem Publikum streckenweise Schauwerte, die wie zehn Fäuste auf das Auge einprügeln. Immerhin: Das Konzept ist, wenn auch nicht neu, so doch sympathisch. Ein glühender Kinonarr, in einem Studioarchiv angestellt, darf verzückt miterleben, wie seine Idole durch die Leinwand brechen und ihr Treiben in der Realität fortsetzen (die Hollywood-Komödie "Last Action Hero" und Chesney Hawkes’ Musikvideo "The One And Only" lassen grüßen). Das hat in den ersten Minuten Witz: Die Videos von rocafilm persiflieren in pathetischem Schwarzweiß Abenteuerstreifen der Ära Erroll Flynn, die Übergänge von der Leinwand zur Bühne sind präzis synchronisiert.

Mit fortschreitender Dauer stellt sich aber heraus, dass der Abend weniger auf ein stringentes Konzept abzielt denn auf Slapstick der Marke Huch, Hurra und Auatsch und haarsträubende Geschichtscollagen, vor allem im ersten Finale. Das lässt nicht nur den Grafen Almaviva und Doktor Bartolo um die schöne Rosina zanken, sondern ruft gleich ein ganzes Sandalenfilmkräfteaufgebot an Römersoldaten und Heidenkriegern auf den Plan, dazu einen Wiedergänger von Bela Lugosi, der Ikone des Schundfilms, in Draculakluft plus Frankensteins Monster. Und: Der anfangs erwähnte Filmnarr (Arturo Brachetti) ist auch noch da und grimassierend bemüht, seine stumme Präsenz zu rechtfertigen. Kurz: Alles sehr albern hier.

Nach der Pause ermatten dann auch noch die Klamauk-Kräfte, das Happy End wird letztlich als Standbild eleganter Frackträger aus verflossenen Zeiten gereicht. Fragen drängen sich auf. Ist das alles ein Spiel im Spiel oder doch nicht, ulkt sich dieser "Barbier" durch die Gegenwart, ein Western-Mexiko oder die Goldenen Zwanziger? Die einzige Gewissheit: Es werden regelmäßig Gummienten geworfen.

Auch das Gesangsniveau bleibt unterhalb der Festspielerwartungen. Gut: Nicola Alaimo gibt, feist, fröhlich und forsch, den Figaro als Bär von einem Machatschek. Dass er seine Töne wie Wurfgeschoße herausschleudert, ist indes gewöhnungsbedürftig. Ildebrando D’Arcangelo ist daneben als Basilio gebucht, muss allerdings den Dracula machen und orgelt entsprechend plakativ. Festivalchefin Cecilia Bartoli (Rosina) schlägt dafür ein weiteres Mal Kapital aus ihrer heiteren Quirligkeit und ihrem leichtgängigen Mezzo, wiewohl sich ihr Vibrato nicht mehr ganz problemlos mit Rossinis Koloraturanforderungen vereinbaren lässt. Edgardo Rocha (Almaviva) bewältigt diese Ziergesänge beizeiten nicht ganz makellos, punktet aber mit seinem kernigen Jünglingstimbre, Alessandro Corbelli keppelt gewinnend als Bartolo.

Und die Musiciens du Prince – Monaco? Steuern einen anfangs dünnen Originalklang bei, der offenbar über Lautsprecher verstärkt wird. Immerhin: Dirigent Gianluca Capuano lässt es an silbriger Dynamik nicht fehlen, und ganz am Ende, wenn Villázon die Bühne betritt, darf der ganze Saal bei einer Reprise mitklatschen. Wirkt dann alles wie im Musikantenstadl mit einer entsprechend gestimmten Hörerschaft - bis auf einen einsamen Buhrufer und eine stille Minderheit, von der nicht jeder bis zum Ende durchgehalten hat.