"Das Publikum stürmt wieder die Theater", so euphorisch beginnt Josefstadt-Direktor Herbert Föttinger seinen Ausblick auf die kommende Saison. Mit dieser These stemmt sich der 60-Jährige gegen den Publikumsschwund. "Die Josefstadt ist im Höhenflug", sagt Föttinger und betet die Auslastungszahlen minutiös vor. Der große Knick, der die durchschnittliche Gesamtauslastung der erfolgsverwöhnten Bühne in dieser Spielzeit voraussichtlich auf 75 Prozent sinken lässt, fand in den Monaten November und Dezember statt. Aufgrund des Lockdowns lag die Quote bei 33 bzw. 35 Prozent, auch im Februar, als Omikron tobte, sank die Auslastung auf rund 40 Prozent. Im Mai liegt man wieder bei 80 Prozent.

"Die Spielzeit 2021/22 traf uns härter als 20/21", sagt Föttinger. Coronabedingt mussten 55 Vorstellungen abgesagt werden, es kam zu 190 Vorstellungsänderungen aufgrund von 260 Coronafällen bei den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern. Die Bühne verlor in der Pandemie etwa 2000 Abonnenten und hält bei 16.000 Abos.

Der Einnahmenrückgang von etwa zwei Millionen Euro wird 22/23 und 23/24 durch weniger Neuproduktionen ausgeglichen, möglich wird das durch Vorproduktionen und Wiederaufnahmen. Auch in den künftigen Budgets wird mit geringeren Einnahmen kalkuliert (7,5 statt 10 Millionen Euro), die durch strukturelle Maßnahmen wie Schließtage ausgeglichen werden sollen.

"Wir gehen siegesbewusst in die nächste Spielzeit," trotzt Föttinger den Wirrnissen. Gleich am 1. September eröffnet das Theater in der Josefstadt mit "Anna Karenina" in der Regie von Amélie Niermeyer. Die Kammerspiele ziehen am 3. September mit Edward Albees "Die Ziege oder Wer ist Sylvia" in der Regie von Elmar Goerden nach. Am 22. September steht "Ein Volksfeind" in der Regie von David Bösch auf dem Josefstadt-Spielplan, die Hauptrolle übernimmt Günter Franzmeier, der langjährige Volkstheater-Schauspieler gehört ab 22/23 zum Ensemble der Josefstadt.

Neuzugänge

Ein Fest für Schauspieler dürfte "Der Wald" (13. Oktober) werden: Neben Andrea Jonasson glänzen Ex-Volksopern-Direktor Robert Meyer und Herbert Föttinger als Komikerduo. Auch wagt sich die Josefstadt an eine Neuauflage von Thomas Bernhards "Ritter, Dene, Voss" mit Sandra Cervik, Maria Köstlinger und Johannes Krisch (17. November). Ein programmierter Höhepunkt dürfte Dieter Dorns Inszenierung werden, der Regie-Altmeister und langjährige Intendant verbindet Becketts "Glückliche Tage" mit Feydeaus "Herzliches Beileid", Bernhard Schir und Anika Pages spielen in der unkonventionellen Kombi die Hauptrollen (Premiere: 27. April).

Gorkis "Sommergäste" (29. März) und ein szenischer Liederabend von Franz Wittenbrink, der sich ab 10. Dezember mit Falladas Roman "Jeder stirbt für sich allein" beschäftigen wird, runden den Josefstädter Spielplan ab.

Die Kammerspiele holen sich mit Regisseur Dominic Oley Verstärkung aus der Schauspielerbühne "Bronski & Grünberg": Oley wird mit Alexander Pschill in der Hauptrolle "Der große Diktator" inszenieren (6. Oktober).

Regisseur Philip Tiedemann wird in den Kammerspielen Brechts kurzweiligen Einakter "Die Kleinbürgerhochzeit" herausbringen (26. Jänner). Um das Recht auf Sterbehilfe geht es in Ferdinand von Schirachs Stück "Gott", das am 23. März in der Regie von Julian Pölsler Premiere in den Kammerspielen feiert.