Wie lange währt eine Diktatur, selbst wenn der Diktator längst verscharrt ist? Wie lange halten sich Amtsträger des Terrorregimes noch an Schaltstellen der Macht?

Mit diesen Fragen beschäftigt sich der Theaterabend "Die Enzyklopädie des Schmerzes. Band I: Das bleibt unter uns" des spanischen Autors und Performers Pablo Fidalgo, der nun im Rahmen der Wiener Festwochen im Schauspielhaus gastiert. Der einstündige Monolog, unspektakulär aber konzentriert vorgetragen von Schauspieler Gonzalo Cunill, verhandelt nicht die großen Dramen des spanischen Franco-Regimes. Der "Generalissimo" hielt das Land von 1936 bis zu seinem Tod 1975 im Würgegriff, vier Jahrzehnte lebte die Bevölkerung in Armut und Angst. Autor Fidalgo richtet in seiner "Enzyklopädie des Schreckens" den Fokus vielmehr auf das alltägliche, subtile Fortwirken eines autoritären Weltbilds und dessen verheerende Auswirkungen.

In "Band I: Das bleibt unter uns" geht es um einen Jungen, der in den 1990er Jahren in der spanischen Kleinstadt Vigo im Alter von fünf Jahren in eine von Mönchen geführte Schule eintritt und acht Jahre lang durch die Hölle geht.

Der Icherzähler schildert in einem Brief, der als Monolog vorgetragen wird, wie die klerikalen Erzieher durch Lieblosigkeit und Strenge ein geradezu militärisches Regime führten. Willkürliche Hierarchien wurden etabliert, um die Schüler gegeneinander auszuspielen, drakonische Bestrafungen waren an der Tagesordnung.

Der minimalistische Abend ist wohl kein großer Theaterwurf, aber ein Mosaik in der Auseinandersetzung mit dem schrecklichen Echo von Gewaltsystemen.