Es wirkt wie Tierstimmen, was einem bei dieser Weltpremiere entgegentönt. Und doch entsteigen das Krächzen, die schauerlichen Klänge und die zahlreichen Obertöne am Donnerstagabend dem warmen Sopran der Vokalkünstlerin Sofia Jernberg. Das Festwochenpublikum bekommt im Jugendstiltheater auf der Baumgartner Höhe ein 65-minütiges Gesamtkonzept mit Kammerorchester und Jernberg zu hören: Wilder Avantgarde-Jazz rauscht vorbei an Schönberg-Atonalität, Minimalismus trifft gemächlichen Nu Jazz.

Mitglieder der Wiener Symphoniker formieren das Orchester, entdecken ihre Instrumente neu, zupfen, schlagen, klopfen, beginnen zu hecheln oder vokalisieren. Alles ist hier andersartig: Ein Textfragment von Thomas Bernhard über hustende Patienten am offenen Fenster leitet ein Hustkonzert inklusive Fensterknarren ein. Die Klangkulisse wirkt wie in einem perfekt gemasterten Hollywoodstreifen, manchmal wähnt man sich mitten im Dschungel unter Tieren. Dabei gestaltetet es sich als schwierig, punktuelle Details herauszuhören.

Die musikalischen Werke beginnen mit einem traditionellen äthiopischen Lied ("Gigi’s Lament"), das von Jernberg arrangiert wurde. Ab und an scheint ein Giacomo Puccini oder ein Jean-Philippe Rameau durch. Beim letzten Lied ("Schatten") scheint der klangliche Rausch nie wieder enden zu wollen.

Gewöhnungsbedürftig,
aber lustvoll

Dirigent Christian Karlsen dirigiert die zeitgenössische Musik gleichermaßen konventionell wie unkonventionell. Er nutzt nicht nur Armbewegungen und Blickkontakt, sondern auch Ziffern auf weißen A4-Zetteln, die er dem Kammerorchester, abwechselnd mit einer Gehilfin, als Direktive entgegenhält. Ein gewöhnungsbedürftiger Abend, der dennoch Lust auf mehr weckt.