Die Namen Julian Assange und Edward Snowden kennt fast jeder. Kaum jemand kennt den Namen Reality Winner. Auch sie ist eine Whistleblowerin: Winner war als Sprachanalystin bei der NSA tätig. 2017 gab sie geheimdienstliche Informationen an eine Zeitschrift weiter, dass Russland sich in jenen US-Wahlkampf eingemischt hatte, den dann Donald Trump gewann. Am 3. Juni des Jahres wurde sie dann vom FBI in ihrem Haus in Augusta, Georgia besucht. Das Protokoll dieses Verhörs ist für das Stück "Is this a room" von Tina Satter, das am Montag bei den Wiener Festwochen Premiere hatte, die Grundlage. Also eigentlich ist die Gesprächsmitschrift das Stück.

Auf der Bühne befinden sich eine Frau und drei Männer: Reality Winner (Katherine Romans) und drei Agenten (Will Cobbs, Joe Lanza, Pete Simpson). Zwei, die mit ihr sprechen, wobei einer der onkelige Typ ist, der die Gesprächsbasis auflockern soll - wie man es aus einschlägigen Filmen kennt. Der dritte ist mit allerlei Organisatorischem beschäftigt und redet manchmal in zwei Walkie Talkies gleichzeitig. Über weite Strecken ist dieses Verhör eine freundliche Plauderei, etwa zu Beginn, wenn es um die Haustiere der Verdächtigen geht, denen man bei der Hausdurchsuchung aus dem Weg gehen will oder muss. Manchmal ist sie auch sehr amerikanisch, wenn es um die Vorzüge einer Glock geht zum Beispiel. Irgendwann geht es auch kurz um Zwergponys.

Interessant ist es schon, der Annäherung der Agenten an ihr eigentliches Thema zu folgen: Erst fragen sie, ob Reality schon Informationen außerhalb ihres Sachbereichs gelesen hat, ob sie solche ausgedruckt hat, schließlich ob sie sie weitergegeben hat. Dafür, dass sie erst recht tapfer für alles eine Erklärung hat, gibt sie dann recht schnell zu, dass sie den Bericht an Journalisten geschickt hat. Als einen der Gründe - durchaus suggestiv befragt - gibt sie an, dass die Dauerbeschallung durch die bekanntlich Trump-freundlichen Fox News im Büro sie so mürbe gemacht habe.

Was tun mit Informationen?

"Is this a room" wirft ein paar durchaus spannende Fragen auf: So ist es nachvollziehbar, wenn Reality Winner sagt, in einer Zeit, in der eine mögliche Involvierung Russlands in die Wahl täglich Thema war, habe sie einfach nicht verstanden, warum ausgerechnet die Information, die diese belegt, nicht veröffentlicht wird. Nun kann man immer sagen: Geheimdienste haben ihre Gründe. Aber man kann - in einer freien Demokratie zumindest - schon auch fragen: Sind es die richtigen? Für Reality Winner, die auch einmal sagt, sie wollte keinen Edward-Snowden-Fame, bedeutete ihre Beantwortung dieser Fragen vier Jahre Haft, sie ist derzeit auf Bewährung. Sie ist 30 Jahre alt. Mittlerweile hat der Geheimdienstausschuss die Einmischung Russlands bestätigt.

Man kann "This is a room" nur als Sittenbild dieser mittelstabilen USA und als Schlaglicht auf eine ambivalente Nebenrolle der amerikanischen Zeitgeschichte würdigen. Als Theaterarbeit an sich ist es etwas läppisch, nicht gerade innovativ und arm an Regie-Input. Aber: Eine Verfilmung ist bereits fix, wie erst vor wenigen Tagen bekannt wurde.