Kein Kaiser kann gegen eine Kuh anspielen, und schon gar nicht gegen einen Wolfgangsee-Haifisch, obwohl der Kaiser Heinz Zednik heißt und in der Badener Aufführung von Ralph Benatzkys "Im weißen Rößl" ein Operettenkaiser ist, wie es noch nie einen Operettenkaiser gegeben hat.

Diese Produktion ist ein Sommerarena-Höhepunkt! Man zeigt: Es geht wieder nach der großen Corona-Krise, die im Vorjahr Spar-Besetzungen erzwungen hat. Jetzt erst recht! Jetzt steht wieder der Chor auf der Bühne, jetzt tanzt wieder das Ballett, und so gut einstudiert ist das, dass man als Zuschauer nie genau weiß: Ist das der Chor, der mittanzt oder das Ballett, das mitsingt?

Das "Rößl"-Traumpaar: Verena Scheitz und Boris Pfeifer. - © Gregor Nesvadba
Das "Rößl"-Traumpaar: Verena Scheitz und Boris Pfeifer. - © Gregor Nesvadba

Zumal Regisseurin Isabella Gregor und Dirigent Michael Zehentner wunderbare Händchen für den Charme dieser herrlichen Revue-Operette haben. Ein virtuoses Spiel der Doppelbödigkeiten treibt sie: Benatzky übersteigert mit Lust die Operettenseligkeiten, bis sie unter der Kitschlast zusammenbrechen und zur Satire werden. Und im Handumdrehen wieder zurück!

Ironie und Sentiment

Das ist mit so viel Können gemacht, dass das "Rößl" eine der besten, wenn nicht gar die beste der Nach-Johann-Strauß-Operetten ist. Kein Zufall, dass in Jacques Offenbachs Frankreich "L’Auberge du Cheval blanc" auch von Opernhäusern gerne angesetzt wird. Zumal: In welcher anderen Operette ist jede, absolut jede Nummer ein Schlager? Beim Nachsummen auf dem Heimweg überschlagen sich die Melodien im Ohr nachgerade.

Andererseits macht es dieser ständige Wechsel zwischen echtem und gefälschtem Sentiment, echter und gefälschter Volkstümlichkeit den Produktionen nicht leicht, ihre Gangart zu wählen. Und nichts ist schwerer als gute Unterhaltung auf hohem Niveau: Isabella Gregor hat in Baden alles richtig gemacht: Sie nimmt das Werk ernst, setzt ihm feine augenzwinkernde Lichter auf, und entwickelt zusammen mit der Choreografin Anna Vita eine flotte, bis in Nebenfiguren und Chor ausgearbeitete Regie, die Vergnügen auf hohem Niveau bereitet. Man darf schmunzeln und lachen. Man darf überrascht sein. Man darf sogar, ja: gerührt sein.

Leicht verhuscht - und unglaublich liebenswert: der Privatgelehrte Hinzelmann (Andreas Steppan) und seine Tochter Klärchen (Juliette Khalil) mit der "Rößl"-Wirtin Verena Scheitz (r.). 
- © Gregor Nesvadba

Leicht verhuscht - und unglaublich liebenswert: der Privatgelehrte Hinzelmann (Andreas Steppan) und seine Tochter Klärchen (Juliette Khalil) mit der "Rößl"-Wirtin Verena Scheitz (r.).

- © Gregor Nesvadba

Zehetner hilft tatkräftig am Pult mit, weil das Orchester, so groß, dass einige Bläser in den Proszeniumslogen sitzen, in allen Farben funkelt, die Rhythmen tänzeln und die Melodien fließen, ohne zu zerfließen. Das Ganze ist einfach fabelhaft!

Spielen, singen, tanzen

Spielen, singen und tanzen - das "Rößl" trabt ja schon in Richtung Musical! In Baden sind Verena Scheitz und Boris Pfeifer ein "Rößl"-Traumpaar, er will ein Macho sein, sie will eine herbe Chefin sein. Wie sie von Anfang an spüren lassen, dass sie füreinander bestimmt sind, nur spielerisch sich selbst und einander Steine in den Weg legen, ist glänzend.

Alexander Kröner als Dr. Siedler wird zurecht gefeiert - in letzter Minute ist er eingesprungen und agiert, als wäre er von Anfang an dabei. Oliver Baier als Sigismund ist nur halb so lustig, wie er glaubt, aber das reicht auch.

Jens Janke parodiert als Wilhelm Giesecke virtuos die Piefke-Klischees, Melanie Schneider als seine Tochter Ottilie bringt einen ausgeflippten Farbklecks hinein, Andreas Steppan formt den Privatgelehrten als schrägen Vogel, der das Herz erwärmt, Juliette Khalil, Jonas Zeiler und Gabriele Schuchter beteiligen sich am guten Gelingen. Ein Badener Operettentriumph der Sonderklasse. Mit Kaiser, Hai und mit Kuh geht alles ein gutes Stück besser!