Martin Schläpfers Vorgänger, Staatsballettchef Manuel Legris, legte die Latte mit acht Premieren in einer Saison zu hoch, in der jetzigen Saison sollten es noch sechs sein, und für die kommende Spielzeit sind vier Premieren geplant (plus die "Plattform Choreografie", die jedoch mit zwei Aufführungen kein Repertoire-Stück ist) - davon zwei in der Staatsoper und zwei in der Volksoper. Kein großer Programm-Wurf, jedoch werden zwei Wiederaufnahmen das Ballettpublikum darüber hinweg trösten.

Schläpfer ist es auch in der kommenden Saison wichtig, so der Direktor des Wiener Staatsballetts bei der Spielplanpräsentation am Mittwoch, dass das Programm für das Wiener Publikum ein stilistisch umfangreiches ist und "Werke der klassischen Moderne, des Modern Dance und Uraufführungen gleichberechtigt neben romantischen Handlungsballetten und der Neoklassik stehen".

An der Staatsoper bringt die Kompagnie zwei neue Stücke ans Haus: Der Ballettklassiker "Dornröschen" (24. Oktober) mit der Musik von Peter I. Tschaikowski wird vom Chefchoreografen Schläpfer rational neu gedacht: Er stellt sich u. a. die Frage, ob Gut und Böse wirklich so weit von einander entfernt liegen. Am 27. April 2023 folgt dann der zweiteilige Abend "Goldberg-Variationen", der sich aus "Tabula rasa" mit Musik von Arvo Pärt und dem titelgebenden Klavierwerk Bachs zusammensetzt.

Beliebte Stücke als Wiederaufnahmen

In der Volksoper steht "Jolanthe und der Nussknacker" (9. Oktober) in der Choreografie von Andrey Kaydanovskiy auf dem Programm. Hier werden die beiden Stücke von Tschaikowski zu einem Opernballett verschmolzen, Regie führt die neue Volksoper-Direktorin Lotte de Beer. Es folgt am 11. Februar der vierteilige Abend "Promethean Fire" mit Werken von Paul Taylor, Mark Morris und Schläpfer.

Wieder aufgenommen werden zwei Publikumslieblinge: "La fille mal gardée" von Frederick Ashton (13. Dezember) und "Don Quixote" (28. Juni 2023) in der Choreografie von Rudolf Nurejew. Auch wurde das Rahmenprogramm mit Werkseinführungen, Matineen, Ballettwerkstatt, einer Gesprächs- und Filmreihe breit aufgestellt.

Die Auslastung in der aktuellen Saison beträgt bei 86 Vorstellungen rund 83 Prozent in der Staats- und nur 63 Prozent in der Volksoper.