Ein vielseitiges Programm war wohl geplant, das ein breites Spektrum an Tanzstilen und auch ein ebenso vielfältiges Können der Tänzerinnen und Tänzer des Wiener Staatsballetts demonstrieren sollte: Die "Nurejew-Gala", die am Sonntag in der Staatsoper gezeigt wurde, war wohl seit ihrem Bestehen die unaufregendste.

Seit 2011 gab es alljährlich diesen glanzvollen Saisonabschluss zu Ehren von Rudolf Nurejew, der Martin Schläpfers Ballettchef-Vorgänger Manuel Legris ins Leben gerufen hat. Mit Schläpfer wird sie alle zwei Jahre gezeigt werden, doch sollte man nun die Benennung überdenken: Denn mit Nurejew hat diese Gala nur noch wenig zu tun. Dem äußerst zahlungswilligen Publikum wird von Balanchine und Béjart über die Ballettschule bis hin zu Flamenco vieles gezeigt. Vieles, das nicht gerade mitreißt. Manch einem Zuseher huschte über die Lippen: "Die Tänzer haben sich ja eh bemüht."

Licht- und Schattenspiele

Da gab es als Entree "Allegro Brillante", Peter I. Tschaikowskis Klavierkonzert Nr. 3, in der Choreografie von George Balanchine mit der außergewöhnlichen Pianistin Shino Takizawa. Es ist ein leichter, luftiger Beginn mit dem tadellosen Solistenpaar Liudmila Konovalova und Masayu Kimoto. In Nurejews "Cendrillon"-Pas des deux (Musik: Sergei Prokofjew) an der Seite von Olga Esina gab Roman Lazik, Senior Artist und ehemaliger Erster Solotänzer, seine Abschiedsvorstellung, die vom Publikum frenetisch gefeiert wurde. Ebenso heftig der berechtigte Applaus für Davide Dato, der im klassischen Gala-Pas-des-deux aus Nurejews und Margot Fonteyns Version von "Le corsaire" an der Seite der grazilen Hyo-JungKang sein Talent an Bühnenpräsenz, Sprüngen und Drehungen eindrucksvoll demonstrieren konnte. "Source of inspiration" von Sol León und Paul Lightfoot mit Ionna Avraam, Edward Cooper und Masayu Kimoto war wohl das choreografische Highlight dieses Abends, denn das Licht- und Schattenspiel sowie die exakten oft zackigen Bewegungen faszinierten.

Wenige Wow-Effekte

Programmatisch ungewöhnliche Stücke für die "Nurejew-Gala" sind sicherlich "Unisono" von Hans van Manen mit Schülern der Ballettakademie und "Tempo" des virtuosen Flamenco-Tänzers David Coria. Die "Ungarischen Tänze" von Johannes Brahms hat Martin Schläpfer in Tanz umgesetzt, oft genau gegensätzlich zu dem, was man sich erwartet: Zu den Temperamentsausbrüchen bei Brahms wird auf der Bühne choreografisch geschwiegen. Oftmals leidet man als Zuseher unter diesen Kontrapunkten. Der elegante Danseur Noble Friedemann Vogel vom Stuttgarter Ballett und Guillaume Côté (National Ballet of Canada) zeigten ein vielleicht tanzhistorisch betrachtet wichtiges Stück: "Le chant du compagnon errant" von Maurice Béjart mit der Musik von Gustav Mahler. Das Grand pas classique aus Marius Petipas "Paquita" mit einer besonders emotionalen und technisch makellosen Maria Yakovleva beschloss den Abend, der oftmals vor sich hinplätscherte. Die Wow-Effekte, die man von den bisherigen "Nurejew-Galas" gewohnt war, bleiben, bis auf wenige Ausnahmen, wohl Teil einer erstklassigen Vergangenheit.