Am Ende fliegen die Blumen ausnahmsweise nicht zur Titelheldin, sondern von dieser in Richtung Publikum: Aschenbrödel, auf der Opernbühne La Cenerentola genannt, hat ihren Märchenprinzen geheiratet und am Ende ihres sozialen Blitzaufstiegs einen Hochzeitstrauß in den Zuschauerraum geschmissen - eine letzte Pointe nach drei flotten Stunden, gefolgt von Standing Ovations für diesen bewundernswerten, aber auch irgendwie wunderlichen Ausnahmeabend.

Wunderlich, weil Cecilia Bartoli - Intendantin der Salzburger Pfingstfestspiele, designierte Leiterin der Oper von Monte Carlo und vor allem Arienweltstar zwischen New York, London und Paris - an diesem Dienstag zum ersten Mal überhaupt auf der Bühne der Staatsoper gesungen hat. Warum bis zu diesem Debüt drei Karrierejahrzehnte im Leben Bartolis vergangen sind? Es bleibt ein Rätsel. Ihre Stimmkraft kann jedenfalls nicht als hinreichender Grund gelten: Der dunkel-schlanke Mezzo setzt sich am Dienstag trotz anderslautender Vermutungen in den Weiten der Staatsoper durch - wobei es ihm zupasskommt, dass die Musiciens du Prince-Monaco in nicht allzu großer Besetzung im Graben werken und Dirigent Gianluca Capuano die Lautstärkenentwicklung gewissermaßen deckelt.

Bis zum 8. Juli ist diese Mannschaft aus Monaco nun, samt Choristen und Solisten, an der Staatsoper zugange und veranstaltet etwas, das in den Vorjahren hier praktisch unbekannt war: ein Gastspiel. Erfreulich, dass die Monegassen dabei nicht nur auf das Zugpferd Bartoli setzen, sondern auch auf ein klares Konzept, nämlich an ein legendäres Gastspiel in Wien erinnern. 1822, vor genau 200 Jahren, ließ ein Komponistenbesuch aus Italien das "Rossini-Fieber" grassieren: Die Aufführungszahl der Ohrwürmer des korpulenten Klangkulinarikers schraubte sich seinerzeit in unverhoffte Höhen.

Vollszenischer Witz

Das aktuelle Gastspiel beginnt mit einer freudigen Überraschung: Die laut Abendzettel halbszenische Aufführung entpuppt sich als weitaus spielfreudiger als mancher Repertoireabend der Vorjahre. Was hier an der Vorderbühne vor einigen Sesseln und einem Tischchen stattfindet, das ist drahtiges, dynamisches Musiktheater ohne Abstriche - einmal abgesehen davon, dass die Choristen die drei Opernstunden weitgehend im Hintergrund absitzen. Mit Hut und steinerner Miene ausgestattet, besitzen sie als stoische Beisitzer aber auch einen gewissen komischen Effekt.

Die stärkste Zwerchfell-Wirkung geht von Dandini aus, jenem Diener also, der einen Abend lang Prinz spielen darf und damit Aschenbrödels Schwestern narrt. Wie Nicola Alaimo mit seinem Bärenbariton und -körper den tapsigen Galan gibt, erinnert an besten Slapstick. Ebenso witzig, wenn der drahtige Pietro Spagnoli (trotz kleiner Unsicherheiten) genüsslich in den Allmachtfantasien des schmierigen Don Magnifico schwelgt; seine bösartigen Töchter (Rebeca Olvera und Rosa Bove) wiederum machen nicht nur dann grellen Effekt, wenn sie in quietschbunten Gewändern flirten. Begleitet von einem wohltönenden Mentor (José Coca Loza), erweist sich Edgardo Rocha als ideal für die Prinzenrolle: ein edel tönender Kavalier, aber auch ein Sprachrohr für stürmische Jugendgefühle. Und Cecilia Bartoli in ihrer Paraderolle als Cenerentola? Begeistert nicht nur durch die Geschmeidigkeit ihres Koloraturgesangs, sondern erneut auch dadurch, was für eine Bühnenwirkung sie diesen flirrenden Notenschwärmen als verliebter Backfisch zu verleihen weiß. Kurz: Ein Traumstart für dieses Gastspiel, das am 3. Juli mit "Il Turco in Italia" fortgesetzt wird und am 8. Juli mit einer Rossini-Gala endet.