Der Theatermacher Hans Hollmann war vor allem für seine detailgenauen und präzisen Inszenierungen bekannt. Den analytischen Blick auf die Dramen der Weltliteratur verdankte er seinem Jusstudium: "Es war ein Brotstudium, für das ich immer dankbar war", sagte der Künstler einmal in einem Interview. "Denn es hat mich die Klarheit des Denkens gelehrt."

Der 1933 in Graz geborene Sohn eines Musikpädagogen hat freilich nie als Jurist gearbeitet, gleich nach der Promotion belegte er im Max-Reinhardt-Seminar die Fächer Schauspiel und Regie; sein erstes Engagement führte ihn ans Theater der Josefstadt.

Ende der 1960er Jahre sorgte er mit seiner bahnbrechenden Inszenierung von Ödön von Horváths "Italienischer Nacht" am Staatstheater Stuttgart für Furore, viele weitere Horváth-Deutungen folgten. "Mit Horváths habe ich Karriere gemacht", sagte Hollmann, der sich zeitlebens besonders um die österreichische Dramatik verdient machte - neben Horváth brachte er auch viele Stücke von Eias Canetti auf die Bühne, mit dem Autor verband ihn eine Freundschaft.

Gewaltige Projekte

Vor allem in den 1970er und 1980er Jahren zählte Hollmann zu den bedeutendsten Vertretern seiner Zunft. Er verhalf auch Elfriede Jelinek zum Durchbruch als Theaterautorin: In den 1980er Jahren, als sich kaum jemand für die junge Wienerin interessierte, brachte Hollmann "Clara S." (1982), "Krankheit der Frauen" (1987) zur Uraufführung - und prägte mit seinem streng formalistischen Ansatz lange die Inszenierungspraktik im Umgang mit der späteren Nobelpreisträgerin.

Hollmann hatte einen Hang zu komplexen Textgeflechten und ausufernden Projekten. Einen seiner größten Erfolge als Theaterregisseur feierte er mit einer siebenstündigen Inszenierung der "Letzen Tage der Menschheit" von Karl Kraus, die er 1974 für Basel und 1980 für die Wiener Festwochen herausbrachte.

Basel wurde übrigens seine Wahlheimat, von 1975 bis 1978 war er Intendant der Basler Theater, das blieb seine einzige Leitungsfunktion, im vorgerückten Alter war er vor allem als Regielehrer und Lektor tätig - etwa am Wiener Institut für Theaterwissenschaft. In Wien inszenierte Hollmann bis in die 1990er Jahre regelmäßig am Burgtheater, vor allem seine "Hamlet"-Inszenierung mit Klaus Maria Brandauer aus dem Jahr 1985 war ein Sensationserfolg. Auch dem Theater in der Josefstadt hielt er die Treue, zuletzt brachte er etwa "Bunbury" (2006) mit Otto Schenk und Helmuth Lohner heraus - ein Publikumshit.

Zudem wandte er sich verstärkt dem Musiktheater zu.