Selbst nach 15 Minuten und zwei orchesterbegleiteten Ensemble-da-capi wollte der Applaus in der Wiener Staatsoper immer noch nicht verebben, schwoll vielmehr erneut zum Sturm an, als Star-Mezzo Cecilia Bartoli und ihre Mitstreiter zum nun x-ten Mal antraten, die Ovationen entgegenzunehmen. Beim Gastspiel der Opéra de Monte-Carlo (am Schluss hatten sich auch Fürst Albert von Monaco und Schwester Caroline auf der Bühne mitfeiern lassen) mit Rossinis "Il turco in Italia" gab Dirigent Gianluca Capuano von Beginn an die Linie vor: leichtfüßig tänzelnd und augenzwinkernd - so jazzig dürfte man hier die Blechbläser ebenso selten gehört haben wie überhaupt manches kurz angezupfte Mozart-Zitat, etwa das Rondo alla turca im Vorspiel zum Zweiten Akt. Klassisch volkstheaterhaft, lustvoll spielerisch und doch immer wieder mit ironischen Brechungen inszeniert Jean-Louis Grinda das Dramma buffo als eine Art Stück im Stück, bei dem der Dichter Prosdocimo seine Inspirationen allesamt bereits im Theater bekommt. Der ist bei Giovanni Romeo stimmlich wie darstellerisch bestens aufgehoben: kraftvoll und voller Präsenz. Ihm in nichts nachstehen Ildebrando D’Arcangelo als Selim, Nicola Alaimo (Geronio) und Barry Banks (Narciso). José Maria Lo Monaco gibt die Zaida etwas verhalten, umso mehr leuchtet Cecilia Bartoli. Ihre Fiorilla kommt klangschön und fein gearbeitet daher. Noch mehr stimmliche Kraft ersetzt sie durch Präsenz und ganz viel Spaß an der Sache. Keine absolute Sternstunde ist dieser Abend, aber doch ein veritabler Triumph.