"Was sehen Sie", fragt der Tänzer Mani Obeya im Kasino am Schwarzenbergplatz sein Publikum, "einen Tänzer oder einen schwarzen Tänzer?" Geantwortet wird pflichtschuldig korrekt: "Einen Tänzer." Doch Emmanuel Obeya, geboren 1969 in Nigeria, ist ein schwarzer Tänzer, Choreograf und Sänger. Davon erzählt er in "ME-NMU-AMI", einem mit dem Choreografen Willi Dorner erarbeiteten Solo. Die drei Silben es Titels bedeuten alle "Ich" in Englisch und zwei nigerianischen Dialekten.

Sofort nach dem Aufwärmen schockiert Obeya mit der Parodie auf die im 19. Jahrhundert beliebten Minstrel-Shows, in denen schwarz-geschminkte Männer ein verzerrtes Bild der fröhlich tanzenden Sklaven zeigten. Bis in die 1970er wurden die Stereotypen in Filmen oder in der BBC-Samstagabendsendung "The Black and White Minstrel Show" gezeigt. Mani Obeya parodiert die Parodie, zeigt ohne Worte das verzerrte Bild, das sich in vielen Köpfen eingebrannt hat. Das Thema des von Obeyas Solo ist vorgegeben. Die fröhliche Miene und die Pointen in Wort und Bewegung lassen fast vergessen, dass Obeya nicht von seiner Karriere und den Erfolgen als Tänzer erzählt. Woran er sich erinnert und was ihn bewegt, ist ernsthaft und traurig. Mit Tanz und Gesang kann die Härte der Tatsachen gemildert werden.

Allroundkünstler

Auch wenn der Allroundkünstler, der in England aufgewachsen ist, als Tänzer und Choreograf und Sänger erfolgreich durch ganz Europa gereist ist, wird er immer wieder daran erinnert, dass seine Haut nicht weiß ist. Das war schon in der Arts Educational School, London, so: "Schokoladengesicht, Chocolateface" hat ihn ein Mädchen scheinbar liebevoll genannt. Mit piepsender Stimme ahmt Obeya das Girlie nach, man spürt, wie unangenehm ihm dieser Kosename war. Auch mit seinem richtigen Namen "Emmanuel Obeya" ist der junge Mann mit dem Herzenswunsch Tänzer zu werden, immer wieder angeeckt. Später werden die Zurufe weniger zärtlich maskiert, "Scheißneger", "Scheißausländer" muss Obeya immer wieder hören. Kommentiert werden diese Erinnerungen nicht, an der Oberfläche zeigt der Tänzer ein fröhliches Gesicht, doch die negativen Erfahrungen sitzen tief. Dennoch lässt sich der junge Emmanuel Obeya auch nicht durch Stockschläge auf das Hinterteil von seinem Ziel, Tänzer zu sein, abbringen.

Textpassagen mischen sich mit Tanz, Obeya schont sich nicht, springt und steppt, zeigt Grand Jetés und Arabesques, zeigt im Sitzen den Entrechat six und durchrast gleich danach wieder keuchend den Erinnerungspalast. Das bewegte und bewegende Solo handelt nicht allein von Mani Obeya, es erzählt auch von der Welt, in der der Künstler lebt und fordert das eigene Nachdenken über Fremdsein und Rassismus.

Trotz der Erfolge als Tänzer, etwa in Heidelberg oder an der Wiener Volksoper, gesteht er: "Das Ballett, das bin nicht ich." Er sucht seine gelbe Mütze, die ihm beim wilden Springen vom Kopf geflogen ist, wischt sich den Schweiß von der Stirn und wartet auf die Sofa Surfers - Wolfgang Frisch, Markus Kienzl und Michael Holzgruber. Seit 2004 ist Obeya Frontman. Auch singend ist er unaufhörlich in Bewegung, doch nun ganz bei sich, Mani Obeya ist jetzt me - mnu - ami - ich. Die intime, tragikomische Tanzerzählung, mehr als eine private Anekdotensammlung, hat den Applaus verdient.