"Nur Ruhe!" Das wünschen sich heute viele angesichts der täglichen Horrormeldungen aus aller Welt. Das wünscht sich auch der Lederfabrikant Anton Schafgeist, der an seinem 55. Geburtstag seine Firma seinem Neffen übergeben will, in Johann Nestroys gleichnamiger Posse, die  heuer bei den Nestroyspielen im Schwechater Schloss Rothmühle – von 1920 bis 1935 selbst eine Lederfabrik – gespielt wird. Bis er diese Ruhe findet, muss er freilich eine Fülle unvorhersehbarer Turbulenzen überstehen.

Das 1843 uraufgeführte Stück, sofort heftig abgelehnt, erlebte damals nur vier Vorstellungen. Seine Schwächen kann auch die wie immer einfallsreiche Inszenierung von Peter Gruber in einer famosen Ausstattung von Andrea Költringer (Bühne und Kostüme) nicht überdecken. Die Handlung wirkt extrem konstruiert, die Personen erwecken in ihrer Egozentrik und Geldgier wenig Sympathien, ob viele Zuschauer  – wie es Nestroys Intention gewesen sein mag – sich in ihnen erkennen, ist fraglich.

Die Akteure, allen voran Rainer Doppler als Schafgeist und Christian Graf in der Nestroy-Rolle des Gesellen Rochus Dickfell, machen ihre Sache durchwegs recht gut, aber sie stellen mit wenigen Ausnahmen eher Karikaturen von Menschen als lebensechte Personen auf die Bühne. Man hätte Peter Gruber, der in nunmehr 50 Jahren unendlich viel in Schwechat geleistet  – und wieder einige treffliche Couplet-Zusatzstrophen beigesteuert – hat, einen Abschied mit einem besseren Nestroy-Stück gewünscht. Für "Nur Ruhe!" möge in Zukunft "Ruhe sanft!" gelten.