Musical ist, wenn neben gesprochenen Texten auch viel gesungen wird. Man kann dieses Konzept aber auch auf die Spitze treiben. So wie Intendant Norberto Bertassi und Autor/Regisseur Norbert Holoubek mit dem sehr jungen teatro-Ensemble. Denn die beiden Norberts zeigen hier, was teatro in Mödling (www.teatro.at) auch und vor allem ist: eine Leistungsschau für Schauspieltalente, die zum Teil schon seit Jahren mit dem Musiktheaterprojekt verbunden sind. Manche haben hier ganz klein angefangen und sind mittlerweile (fast) erwachsen, viele stehen erst am Beginn.

Und so wirbeln bei der aktuellen teatro-Produktion "Robin Hood" viele Jugendliche (Durchschnittsalter: geschätzte 17 Jahre) gemeinsam mit Volksschulkindern über die Bühne des Mödlinger Stadttheaters, singend und tanzend (Choreografie: Katharina Strohmayer). Gesprochen wird sehr wenig. Was in drei Sätzen gesagt werden könnte, wird hier minutenlang gesungen. Neben dem Titelhelden Robin Hood (Nicolas Vinzenz) erweist sich vor allem Prinz John (Moritz Mausser) als Arienkönig. Aber auch Maid Marian (Anna Fleischhacker) und ihre Gegenspielerin Malvina (Setareh Eskandari), die sich vergeblich nach König Richards Bruder verzehrt, füllen inbrünstig den nicht allzu großen Theatersaal mit ihren klaren, hellen Stimmen.

Robin Hood (Nicolas Vinzenz): ein Vogelfreier, der in die Rolle des Helden gedrängt wird. - © Halmen Photo Design
Robin Hood (Nicolas Vinzenz): ein Vogelfreier, der in die Rolle des Helden gedrängt wird. - © Halmen Photo Design

Viel Humor und Dramatik

Das beeindruckt erwachsene Zuhörer, ist für manche Kinder im Publikum allerdings etwas langatmig (Altersempfehlung: ab 10 Jahren). Mitreißende Rockmusik, Humor und Dramatik machen das aber wett: So ist Bruder Tuck hier eine Schwester, deren Bratpfanne nicht zu unterschätzen ist, Robin und seine Gefährten schlüpfen in Frauenkleider, Marian ficht mit Prinz John, es gibt beinahe einen Toten, und ein Liebestrank sorgt für heftige Verwirrungen und fast für das falsche Ende. Nur mit Müh’ und Not kann Robin seine große Liebe doch noch retten.

Spannend ist vor allem, wie Holoubek seinen Helden anlegt: Robin wird nämlich eher in die Rolle des Rebellen hineingedrängt, er wehrt sich lange, bis man ihn bestärkt: "Du bist zwar einer, doch nicht allein!" Und der tanzende Chor schmettert in den Saal: "Gemeinsam sind wir viele, gemeinsam sind wir mehr!" Auch Prinz John - der hier die Drecksarbeit selbst macht und keinen Sheriff von Nottingham braucht - ist eine durchaus mehrschichtige Figur. Und so gibt es neben spannender Unterhaltung auch ein bisschen Stoff zum Nachdenken. Ganz so, wie man es von teatro in Mödling kennt.