Vlad Gavris ist fabelhaft! Ganz allein trägt er im Pygmalion Theater die "Geschichte einer Tigerin" von Dario Fo.

Eine der Grotesken des italienischen Literaturnobelpreisträgers: Ein verwundeter chinesischer Revolutionskämpfer rettet sich in die die Höhle einer Tigerin. Die pflegt ihn gesund. "Bitter, aber sahnig" schmeckt ihre Milch. Der Soldat aber ist so genervt von der interhumanobestialischen Patchworkfamilie, dass er in den Krieg zurückkehrt. Am Schluss rettet er mit den zu Hilfe eilenden Tigern ein Dorf vor den Konterrevolutionären. Er "hat den Tiger" - im Chinesischen bedeutet das: Er gibt nie auf.

Im Verlauf der Geschichte wird indessen immer unklarer, ob der Soldat aus Erfahrung berichtet, oder ob er ein grandioser Aufschneider ist, der den Zuhörern, wenn schon keinen Bären, so eine Tigerin aufbindet. Was auch seinen anfangs ganz und gar glaubwürdigen Kriegserzählungen ein großes Fragezeichen hinzufügt.

Es gehört einiges dazu, diesen genial absurden Monolog in Schwebe zu halten. Gavris gelingt das in Geirun Timos textadäquat überdrehter Inszenierung fulminant: Aus Slapstick wird Pantomime, aus Pantomime Clownerie - und die lässt auch schon einmal das Lachen im Hals stecken. Gavris ist mit sprechender Mimik und vollem Körpereinsatz bei der Sache. Er beherrscht den kulissenlosen Raum kraft seiner Persönlichkeit. Keine lahme Sekunde gibt‘s da. Ein Komödiant reinsten Tigerbluts ist dieser Vlad Gavris!