Aus dem nichts erscheint am Samstagabendhimmel ein heller Leuchtstreifen und verschwindet gleichermaßen wie eine Sternschnuppe wieder vom Horizont. Für diesen Schweif sorgt das prächtige Torero-Kostüm (Gerlinde Höglhammer, Bianca Hobl) von Neven Crnić als Escamillo in Georges Bizets "Carmen" in der Oper Burg Gars. Seine ganze Männlichkeit wird mit Gold, Silber und nach Diamanten funkelnden Strasssteinen zur Schau gestellt. Seine Liebe, Carmen, gekleidet in blutroter Bolerojacke, wird durch den eifersüchtigen Don José ihren Tod finden.

Auf diesen Augenschmaus im Rahmen eines schlichten Bühnenbilds hat sich das Publikum aufgrund von Corona-Sicherheitsmaßnahmen zwei Jahre gedulden müssen. Denn was wäre eine Carmen ohne Chor und großes Orchester? Die Inszenierung bleibt dem Originalwerk treu und wird seitens Regisseur Dominik Wilgenbus lediglich um deutschsprachige Monologe ergänzt. Sie gehören zu einem nachträglichen Gerichtsprozess Don Josés, wirken aber eher wie innere Stimmen im Rahmen der Handlung. Voller Härte, Schicksalshaftigkeit, aber auch schwereloser Grazie und Harmonie ist das Meisterwerk Bizets. Intendant und Dirigent Johannes Wildner führt das Orchester freudig und solide durch das Werk.

Oper mit Spritzer

Ljubica Vraneš besticht in der Titelrolle von der ersten Sekunde an vor allem mit ihren lasziven Posen. Zuverlässig triumphiert sie mit gutem Ton und gelungener französischer Aussprache, jedoch unter gedrosseltem Tempo.

Umso mehr wird Corina Koller als Micaëla in Erinnerung bleiben. Sie berührt die Herzen mit ihrer Stimme und Wärme. Dass Crnić mit seinem Habitus und Gesang überzeugt, steht außer Frage. Viel interessanter hingegen ist die Rolle des José an diesem lauen Sommerabend. Seinen Part übernimmt Zoran Todorovich, der für den erkrankten Oscar Marín einspringt. Weich und der Micaëla zugeneigt, wie in der ursprünglichen Geschichte vorgezeichnet, ist José nicht. Dagegen wirkt der Sergeant entschlossen und keck, was beim Fesselspielchen mit Carmen deutlich wird. Die Aussprache des Tenors hinkt, dafür präsentiert er sich mit starkem Volumen und samtigen Höhen. Neben den bekannten Charakteren verzücken die kindlichen Soldaten bei der Übung ihrer Militärparade. Die Schmugglerbande verzaubert stimmlich wie schauspielerisch. Für das nötige Timbre sorgt der Chor, wenn auch alle Gesangspartien hätten lauter sein dürfen.

In Erinnerung bleiben großartig besetzte Nebenrollen, ein weißer Spritzer als Alternativprogramm zum kurzen Regenschauer und ein stets gut gelaunter Intendant mitsamt seinem Publikum vor herrlicher Kulisse.