Nach Sexismus-Vorwürfen bei den Bayreuther Festspielen ermittelt die Staatsanwaltschaft. "Das Ermittlungsverfahren wurde aufgrund der medialen Berichterstattung von Amts wegen eingeleitet", sagte ein Sprecher der Staatsanwaltschaft Bayreuth am Mittwoch und bestätigte Medienberichte. "Das Verfahren läuft derzeit gegen keine konkrete Person, sondern gegen Unbekannt." Eine Strafanzeige liege bisher nicht vor, sagte der Sprecher.

Im "Nordbayerischen Kurier" hatten Frauen in der vergangenen Woche anonym berichtet, dass sie auf dem Grünen Hügel angefasst wurden oder sich sexuelle Anzüglichkeiten anhören mussten.

Festspiel-Chefin Katharina Wagner bestätigte, dass auch sie selbst betroffen war: "Sexuelle Anzüglichkeiten und teilweise Übergriffe in gewisser Weise ja", sagte sie der Deutschen Presse-Agentur. "Ich habe mich aber zu wehren gewusst." Sie fügte hinzu, sie habe "sehr, sehr deutlich gehandelt". "Schockiert" sei sie von Berichten über Übergriffe, Beleidigungen und Anzüglichkeiten, sagte Wagner.

Unabhängig von den Übergriffen waren auch Vorwürfe gegen den früheren Musikdirektor Christian Thielemann bekannt geworden. Er soll sich frauenfeindlich geäußert haben, weil zwei Kontrabassistinnen im Orchester ihm zu viel gewesen wären. Thielemann hat diese Vorwürfe ebenso zurückgewiesen wie die, er vergreife sich hie und da im Ton.

Die Festspiele kündigten Konsequenzen an. "Das sind ungeheure Vorwürfe", sagte der Vorsitzende des Verwaltungsrates, Georg von Waldenfels. Es gebe "gar kein Vertun, dass wir mit allem Ernst und aller Unnachgiebigkeit dem nachgehen werden".