Ein einsamer Mann auf der Bühne. Unruhig geht er auf und ab, wartet, bis das Publikum Platz nimmt. Dann probiert er vorsichtig, ob sein Körper noch funktioniert, die vor langer Zeit erlernten Bewegungen noch möglich sind. Er hebt die Arme, rollt die Schulter, spreizt die Finger, beugt die Knie und knickt die Hüften ein. Alles funktioniert noch, auch die Balance gelingt. Der Körper vergisst nicht, die Geschmeidigkeit bleibt, die Anstrengung wird spürbar.

Ohne ihn zu kränken, darf Elio Gervasi als Großvater des zeitgenössischen Tanzes in Wien bezeichnet werden. 1953 im kalabrischen Cosenza geboren, ist er nach seiner umfassenden Ausbildung in Wien gelandet, als der freie Tanz hierzulande noch in den Kinderschuhen steckte. 1987 hat er seine eigene Company gegründet und seitdem mehr als 50 Stücke im In- und Ausland gezeigt. Mehr als 300 Tänzerinnen und Tänzer haben mit ihm gearbeitet und dabei gelernt, dass der Tanz keine Grenzen kennt. In seinem knapp einstündigen Solo erinnert er sich an sein Formenvokabular wie an sein Bewegungsmuster und frönt seinem Hang, die Bühne zu möblieren, auch Dingen Raum zu geben.

Das Halten der Balance durchzieht als Thema die Performance, zu der Alessandro Vicard die von ihm komponierte Geräusch- und Musikcollage teilweise live einspielt. Die Kostüme sind von Hanna Hollmann, die Gervasi am Ende einen Motorradhelm aufsetzt und viele bunte Jacken anzieht, die aus dem schlanken, jung gebliebenen Tänzer eine lustige Figur machen. Applaus und Jubel nimmt er fast verlegen lächelnd entgegen.