Darf man in Zeiten der Political Correctness als Österreicher einen "Native American" spielen, einen bösen gar? Nun, ein Nein auf diese Frage wäre wohl das Ende der Winnetou-Spiele in Kollersdorf am Wagram. Denn dort reiten natürlich keine echten Indianer, wenn Winnetou (Marco Valenta) und Old Shatterhand (Erich Schmidt) rund um eine mexikanische Hacienda die Banditenfamilie Melton zur Strecke bringen. Dazwischen gibt Winnetou seine Weisheiten an einen ungestümen jungen Mimbrenyo-Krieger weiter und versöhnt die beiden verfeindeten Indianerstämme, was aber nicht ohne sinnlose Tote abgeht.

Nach Kollersdorf kommt man weniger wegen der schauspielerischen Leistung als wegen der Reitkünste - und der Pyrotechnik. Schon in der ersten Szene wird freihändig geritten und wild geschossen, und auch später kracht es ordentlich. Viele Komparsen sorgen dabei für ordentlich Leben auf der Bühne.

Natürlich ist auch Sam Hakwens (Florian Huppmann) mit dabei und gibt den Westernkasper, im Schlepptau die Geschwister Vogel (Anna Dangel, Robert Haider) aus Wien, mit denen das Stück ins Klamaukhafte abrutscht, bevor es wieder ernst wird. Winnetou ist die Besonnenheit und Güte in Person, während man den Banditen ihre Schlechtigkeit schon an der Sprechweise anhört. Die Rollen sind also klar verteilt und gut erkennbar auch für die jüngsten Zuschauer - allerdings sollte das Mindestalter ob der recht komplexen Handlung und einiger brutaler Szenen mit elf Jahren angegeben werden.