Lediglich sieben Klavierbänke stehen parallel zum Zuschauerraum auf einer leeren und dunkeln Bühne, die der amerikanische Choreograf und Tänzer Trajal Harrell betritt. Er bleibt stehen, schnäuzt sich, schaut in den Zuschauerraum, grüßt mit einem Nicken. Er wartet. Die Zuschauer ebenfalls. Sie sind gespannt auf die Performance, die auf dem legendären Keith-Jarrett-Konzert "The Köln Concert" aus dem Jahr 1975 basiert, und nun als österreichische Erstaufführung im Rahmen des ausklingenden Impulstanz-Festivals zu sehen ist.

Jeder kämpft mit sich selbst und wird ignoriert. 
- © Reto Schmid

Jeder kämpft mit sich selbst und wird ignoriert.

- © Reto Schmid

Harrell ist mit einem weißen Hemd und einer schwarzen Hose bekleidet, um seinen Hals hängt ein Trägerkleid. Als Ruhe im Publikum einkehrt, folgt eine Kopfbewegung zum Tonmeister und er beginnt sich zu den Klängen von "My Old Man" der amerikanischen Sängerin Joni Mitchell so zu bewegen als wäre er die ausdrucksstarke Sängerin: Er hebt die Arme in Richtung Publikum, wiegt sich im Takt von einem Bein auf das andere. Sein Gesicht spiegelt zahlreiche Emotionen wider. Zu den folgenden Songs "River" und "Both Sides Now" betreten auch die weiteren sechs Tänzer die Bühne. Sie gehen in typischer Vogueing-Manier auf imaginären Laufstegen in skurriler Kleidung hin und her. Ein zu kleiner Rock, eine Strumpfhose einfach nur über den Slip gezogen, eine simple kurze Sporthose: Niemand ist perfekt gestylt, jeder ist, wie er eben ist.

Ein Statement, das sich dann zu den Klängen des "Köln Concert" von Keith Jarretts fortsetzt, nur tragen sie nun schwarze Kleider und sitzen starr auf ihren Klavierbänken. Einer nach dem anderen beginnt zu tanzen, stolpert, fängt sich wieder, wird scheinbar hin und her geschleudert. Ein jeder kämpft mit sich selbst und wird von den anderen ignoriert. Harrell und seine Tänzer zeigen Figuren in ihrer Diversität und ihren Kampf einen Platz in der Gesellschaft zu finden. Ein Tanzstück, das tief berührt.