Die Donaufestwochen im Strudengau zeigen jedes Jahr eine Opernrarität im historischen Klangbild auf Schloss Greinburg. Heuer ist eine österreichische Erstaufführung zu erleben: "Moro per amore" von Alessandro Stradella aus dem Jahr 1681. Stradella war ein toskanischer Adeliger, der in Geldnot lebte, aber auch ein genialer Komponist. Er führte bis zu seinem Tod ein abenteuerliches Leben: 1682, im Alter von 42 Jahren, wurde er in Genua aus ungeklärten Gründen auf der Straße erdolcht. Seine Biografie inspirierte zu mehreren Opern, unter anderem von César Franck und Salvatore Sciarrino.

Doch nicht nur sein Leben fasziniert: Stradellas Musik gehört zu den avanciertesten Kompositionen aus der Frühzeit der Oper. Die vielfältige Gestaltung der Rezitative zeigen ihn in "Moro per amore" als visionären Komponisten: Es sind mal trocken zugespitzte Dialoge, dann mit dramatischer Musikbegleitung versehene Klagen. Der Komponist schreibt berührende Melodien, dem Streichorchester sowie dem Basso-Continuo-Ensemble gibt er kontrapunktisch knifflige Aufgaben. Ihnen stellt sich das junge Euridice Barockorchester mit Studierenden der Anton Bruckner Privatuniversität. Das Ensemble, gegründet von Intendantin Michi Gaigg und nun weitergeführt von Elisabeth Wiesbauer, wirbelt mit feiner Grazie und ruppigem Forte durch die Partitur. Vom Cembalo aus leitet Erich Traxler das mitreißende musikalische Geschehen.

Inhaltliche Grundlage der Partitur ist die Geschichte des zypriotischen Königssohns Floridoro, der sich in die Königin von Sizilien verliebt. Das Problem: Zypern und Sizilien sind verfeindet. Floridoro wählt eine List, die jede Inszenierung vor ein Dilemma stellt: Der Königssohn verkleidet sich als Sklave, als "Mohr", um sich am Hof von Königin Eurinda einzuschleichen (daher auch der doppeldeutige Stücktitel "Moro per amore": "Ich sterbe für die Liebe" oder auch "Ein Mohr aus Liebe"). Blackfacing ist keine Option, Textänderungen sind kaum möglich, ohne den Plot zu zerstören. In Grein geht Manuela Kloibmüller behutsam vor, die Verwandlung des Floridoro beschränkt sich auf applizierte Tätowierungen. Ihre Regiearbeit beschließt sie mit einer klaren Message: "Contro il razzismo" steht auf der Unterseite eines Schlauchbootes, das zuvor als Requisit gedient hat. Ausgrenzung verwandelt sich in Liebe.

Maria Ladurner lässt ihre Stimme als Eurinda souverän strahlen, Jakob Maximilian Gerbeth singt den Floridoro mit frischer, heller Tenorstimme. Die Nebenfiguren verheddern sich in Botendiensten und Liebesverstrickungen: Marelize Gerber (als Lucinda kurzfristig eingesprungen) lässt uns an ihrer ausdrucksvollen Verzweiflung mitleiden, Cornelia Traxler wirbelt als kokette Kammerzofe über die kleine Bühne. Markus Miesenberger ist den stimmlichen Girlanden seiner Partie des Filandro nicht gewachsen, Markus Volpert agiert in der Bass-Rolle des Rodrigo verlässlich. Johanna Rosa Falkinger zeigt stimmlich und darstellerisch überzeugend, was aus einer kleinen Hosenrolle herauszuholen ist.