So viel gleich vorweg: Der aus Tirol stammende Josef Jöchl ist schwul, nicht weiter ungewöhnlich. Mittlerweile ist auch ja auch Heiraten für Schwule kein Problem mehr. Wobei, es wäre schon schön, wie uns Jöchl verrät, wenn es wie früher wäre und er auf die Frage: "Josef willst Du einmal heiraten?" mit: "Ich bin schwul." kontern könnte. Denn das mit dem Heiraten ist nicht so sein Ding, zumindest wenn es seine eigene Hochzeit ist. Nein sagen, so gewinnt man den Eindruck, kann er aber auch nicht so recht. Nur als Gast geht er gerne auf Hochzeiten. Zumindest sagt Jöchl bei entsprechender Einladung ja.

Und genau damit, mit dem Ja-Sagen, befasst sich Jöchl in seinem neuen Bühnenprogramm "Die kleine Schwester von Nett". Natürlich sagt man ja, sei es bei einer Hochzeitseinladung oder wenn Bekannte darum bitten, die Zimmerpflanzen während ihres Urlaubs zu gießen. Jöchl ist nett und sagt auch dann ja, wenn er dafür einmal quer durch die Stadt pendeln muss, genauer gesagt: aus dem 7. Bezirk bis nach Floridsdorf. Am Ende kennt er die Zimmerpflanzen besser als deren Besitzer, aber Hauptsache man behält ihn in guter Erinnerung. Schließlich ist man "nett". Wer nicht einmal nein sagen kann und immer nett ist und immer gefallen will, der ist ein "People Pleaser". In Jöchls Fall: ein Fall für die Therapeutin.

Ausführlich und liebevoll trägt der Kabarettist sein Programm vor, erklärt Algorithmen und weiß von Dingen, die wir im Internet nicht bestellen können, nach denen wir uns aber alle sehnen. Ist es die Liebe? Ist es Anerkennung oder gar etwas anderes? Ständiger Begleiter den ganzen Abend hindurch ist der nette "People Pleaser", der es mit allen immer gut meint.

Aber es gibt dann doch Unterschiede zwischen "nett" und "nett". Frauen sind netter als Männer, Arme netter als Reiche. Sind am Ende doch nicht alle nett? Jöchl beginnt zu zweifeln. Bei einem Restaurantbesuch beispielsweise hat er häufig das Gefühl, dass es sich um eine Dienstleistung handelt  die allerdings eher er erbringt. Und auch das Personal auf der Post lässt sich nur wie der Kuckuck bei einer Schweizer Kuckucksuhr erblicken. Die denken also zuerst einmal an sich. Jöchl bleibt troztdem nett. Denn am Ende soll doch bitte nur gut über ihn geredet werden. Aber muss man deswegen wirklich immer nett sein? Fazit: Josef Jöchl auf der Bühne ist netter als Josef Jöchl auf YouTube.