Otto Wagner? Mit dem Namen verbinden viele die stilvollen Wiener Stadtbahn-Pavillons, heute vielfach als U-Bahn-Eingänge genutzt. Tatsächlich musste der Star-Architekt der Jahrhundertwende aber auch so manche Niederlage einstecken. Von all diesen Ereignissen handelt Beatrice Gleichers Einakter "Geliebtes Luiserl, dein Otto Wagner", das im Ernst-Fuchs-Museum, der ehemaligen Residenz des Architekten, nun Uraufführung feierte.

So könnte ein ganz gewöhnlicher Abend im Leben Wagners verlaufen sein: Der mittlerweile gealterte Architekt reflektiert sein Leben, spricht mit seiner Frau, seinem geliebten Luiserl über die guten wie die schlechten Tage. Doch warum ist er so bekümmert? Nach und nach wird klar, dass Otto Wagners zweite Ehefrau verstorben ist und er seine Lebensbilanz mit einer imaginären Gattin zieht, im ehemaligen Atelier der Villa allerdings durch Autorin Beatrice Gleicher verkörpert. In der 90-minütigen Aufführung unterhält sich Wagner mit seinem geliebten Luiserl, beklagt sich im vertrauten Zwiegespräch über den Kaiser und über Aufträge oder auch über die Unfähigkeit seines Sohnes aus erster Ehe. Sie selbst spricht mal beruhigende, mal aufstachelnde Worte, bleibt stets ein gewitzter Konterpart. So richtig einig sind sich die beiden nur in ihrer Liebe zueinander.

Gleichers Konversationsstück ist geprägt von Zeitsprüngen, sodass man sich nie ganz sicher sein kann, ob man nun nur an einem oder mehreren Abenden Otto Wagners Gast war.

Dank des Schauplatzes und der hervorragenden Leistung der beiden Schauspieler, fühlt man sich in das Fin de Siècle zurückversetzt, eine Zeitreise, die einen in Bann zieht.