Unter dem Künstlernamen Stefanie Sargnagel ist die 36-jährige Autorin, Cartoonistin und Burschenschafterin längst eine Fixgröße der heimischen Kunstszene geworden.

Nach ihrem ersten rundweg geglückten Theaterabend "Ja eh - Beisl, Bier und Bachmannpreis" im Theater Rabenhof, wird nun ihr jüngstes Stück "Heil - eine energetische Rettung" ebenfalls im Gemeindebautheater in Erdberg uraufgeführt, den Sound liefert die Band Buntspecht, Christina Tscharyiski inszeniert. Mit der "Wiener Zeitung" sprach Sargnagel über Ab- und Hintergründe ihrer esoterischen Horror-Show.

"Wiener Zeitung":Sie verquicken in "Heil - eine energetische Rettung" spirituelle Sinnsucher mit stramm rechtem Gedankengut, wie kommen Sie auf diese toxische Verbindung?

Stefanie Sargnagel: Das habe ich von den Corona-Demos. Ich war bei vielen dabei, als Schaulustige wohlgemerkt, und was mich am meisten irritierte, waren die vielen Vertreterinnen und Vertreter aus einer eher bürgerlich-alternativen Szene oder vermeintlich harmlose Esoteriker, die plötzlich mit Leuten wie dem Holocaust-Leugner Gottfried Küssel, FPÖ-Chef Herbert Kickl und den ganzen Identitären mitmarschieren. Diese unheimliche Allianz wollte ich in einer esoterischen Horror-Show satirisch überspitzt auf die Bühne bringen.

In Ihrem Stück fällt auch der schrecklich ahistorische Satz der Corona-Leugner: "Wir sind die neuen Juden."

Das war auf den Demos tatsächlich zu hören! Dann gab es noch die "Ungeimpft"-Abzeichen, die an die Form des Judensterns erinnerten, oder die Querdenkerin "Jana aus Kassel", die sich mit Sophie Scholl verglich. Die Opfer der NS-Diktatur mit Ausgangsbeschränkungen während einer Pandemie in Verbindung zu bringen? Das ist doch Wahnsinn! Wobei mir die Leute aus der alternativen Szene natürlich näher sind, als die klassischen Neo-Nazis. Zumindest sind sie nicht rundweg fremdenfeindlich, verehren tendenziell fremde Kulturen wegen ihrer angeblichen Naturnähe, auch kann ich die Skepsis gegenüber einer hyperkapitalistischen Welt und die Vorbehalte gegenüber der Pharma-Industrie gut nachvollziehen, aber man fragt sich schon, wie es so weit kommen konnte, dass sie Seite an Seite mit Rechten demonstrieren.

Wie lautet Ihr Befund?

Es gibt darauf keine einfache Antwort, aber Studien belegen, dass es sich dabei wohl um ein Phänomen aus dem deutschsprachigen Raum handelt. Eine kuriose Impfgegnerschaft existiert hier schon länger im Umfeld der Anthroposophen, die während der Pandemie wirkmächtig zu Tage trat. Auch haftet der Esoterik etwas gefährlich Apolitisches an, viele vertreten die Ansicht, dass man nur an sich selbst arbeiten müsse, dann werde sich auch die Welt verändern - ein fataler Trugschluss. Soziale Missstände lassen sich nicht wegmeditieren.

Auch der Begriff "Querdenker" ist in Misskredit geraten.

Das ist schon schräg. Ich habe viele Freunde aus dem linken und anarchistischen Milieu, die im Normalfall kritisch gegenüber dem Staat eingestellt sind, während der Pandemie haben sie allesamt die staatlichen Maßnahmen mitgetragen, weil es in Krisenzeiten um Solidarität geht und diejenigen, die plötzlich "Freiheit" gefordert haben und gegen den Staat hergezogen sind, waren die rechten Law-and-Order-Typen.

"Die Befreiung vom Verstand ist die einzig wahre Freiheit", schreiben Sie in Ihrem Stück.

Das ist ein Originalzitat, das mir während der Recherche in mehreren spirituellen Büchern unterkam, ursprünglich bezieht sich das auf buddhistische Lehren, wird aber häufig falsch angewandt.

Mir kam der Satz wie Satire vor.

Ja eh, das ist Realsatire, da muss man nichts mehr dazu dichten.

Glauben Sie an ein Gespräch mit Corona-Leugnern?

Was bleibt mir sonst über? Wenn sich jemand komplett in Verschwörungstheorien verstrickt und von jeglicher nachvollziehbaren Logik verabschiedet hat, fällt es schwer, zu diskutieren. Vielleicht muss man die Person dann eher auf der Gefühlsebene ansprechen, an die Solidarität mit der Gemeinschaft appellieren?

Ihre Texte sind meist eine Ode an Outsider, wie passt Ihr jüngstes Stück dazu?

Ich polemisiere und polarisiere gern auf humorvolle Weise, ich überspitze Zustände. "Heil" ist im Grunde ein Aufruf an das linke, bürgerliche und grüne Milieu ihr Umfeld genauer zu betrachten.