Mit Oberlippenbart und Norwegerpullover – gleichermaßen wie der Pullunder von Olaf Schubert, bei dem er bereits zu Gast war – wirkt der Oberösterreicher Benedikt Mitmannsgruber eher unauffällig. Sein subtiler Humor jedoch bleibt einem in Erinnerung. Denn die Wuchteln liefert Mitmannsgruber stetig, wie Wellen, die an einem Strand anlanden.
Da wäre Enrique. Wenn seine Freundin mit ihm schläft, hören sie immer Enrique Iglesias. Am Ende stellt sie sich vor, sie schläft mit Enrique und er stellt sich vor, er schläft mit Enrique. Schlussendlich geht dem Benedikt dieser Enrique einfach nicht aus dem Kopf. Beim Hautarzt in Österreich oder im spanischen Barcelona. Überall Enrique. Mit solch seltsamen Erzählungen arbeitet sich der Kabarettist an Enrique ab und bringt sein Publikum zum Lachen.

In einer Vielzahl seiner Schmähs steckt aber auch eine ordentliche Portion Kapitalismuskritik. Etwa dann, wenn er Nestlé ins Rampenlicht rückt. Passend zum Thema liefert er die Geschichte mit dem Schwimmteich des Nachbarn. Der Teich ist schnell trockengelegt und das Wasser um teures Geld an den Eigentümer zurückverkauft. Und wenn sein Vater ihn fragt, was das soll, entgegnet Benedikt: "Das ist Kapitalismus, Papa Mitmannsgruber!"

Neben dem Wasserraub thematisiert der Kabarettist auch die Auslagerung von Arbeitskräften in Billiglohnländern, er nimmt politische Parteien in die Mangel, beleuchtet das Alkoholproblem in unserer Gesellschaft und widmet sich dem Mobbing. Letzteres, so der Kabarettist, sei in den vergangenen Jahren durch Soziale Netzwerke völlig anonymisiert. Das gehört geändert. Das persönliche Mobbing macht viel mehr Spaß und ist wesentlich nachhaltiger. Warum auch sollte man jemanden mobben, den man überhaupt nicht kennt, der irgendwo auf der anderen Seite der Erde lebt?

Wie das Mobbing vor Ort geht, das weiß der Oberösterreicher genau. In der Rolle als Lehrer liefert Benedikt Beispiele aus dem Schulalltag. Dicke Kinder, Analphabeten und Ausländer lassen sich wunderbar mobben. Er treibt es so weit, dass einem das Lachen im Hals stecken bleibt und man am Ende über die Problematik nachdenkt. So wie es sich für ein Kabarett gehört.

Nach seinem Debüt "Exodus" ist er nun also mit seinem Programm "Der seltsame Fall des Benedikt Mitmannsgruber" (Regie: Petra Dobetsberger) auf Tour.