Als die Premiere des neuen Programms von Heilbutt & Rosen im September zunächst auf Oktober und dann auf nächsten Februar verschoben wurde, da machten sich Insider schon Sorgen um den Gesundheitszustand Helmuth Vavras. Denn die schwere Krankheit des Masterminds der 1992 gegründeten Kabarettgruppe, die heuer ihr 30-jähriges Bestehen gefeiert hat, war in der Branche ein offenes Geheimnis. Nun sind die schlimmsten Befürchtungen noch übertroffen worden: Vavra ist am 30. Oktober im Alter von 56 Jahren verstorben.

Entsprechend betroffen zeigte sich sein Agent Thomas Amersberger in der Presseaussendung, in der er erstmals den Tod eines von ihm betreutem Künstlers bekanntgeben musste: "Wir wir sind unendlich traurig und bestürzt, dass Helmuth Vavra gestern seinen tapfer geführten Kampf gegen seine schwere Krankheit verloren hat."

Helmuth Vavra mit Theresia Haiger als Heilbutt & Rosen auf der Bühne. 
- © Christoph Böhler

Helmuth Vavra mit Theresia Haiger als Heilbutt & Rosen auf der Bühne.

- © Christoph Böhler

Vavra, der nun viel zu früh aus dem Leben gerissen wurde, hatte noch einiges vor mit seinen Bühnenpartnern Theresia Haiger und Berthold Foeger. Neben dem Jubiläumsprogramm "Und wie geht's Ihnen so?!" hätte es auch wieder das traditionelle Weihnachtsspecial "Still, Still, Still" geben sollen - und in beiden hätten die drei das getan, was sie am besten können beziehungsweise konnten: Vavra und Haiger hätten ihre rein platonische Bühnenehe (im wahren Leben war Vavra seit 2000 mit seiner Frau Daniela glücklich verheiratet) in kabarettistischen Liedern durch den Kakao gezogen, begleitet von Foeger als kongenialem Partner am Klavier.

Er war auf der Bühne stets lustig, auch als er schon schwer krank war. 
- © Christoph Böhler

Er war auf der Bühne stets lustig, auch als er schon schwer krank war.

- © Christoph Böhler

Foeger war es auch, mit dem Vavra 1992 Heilbutt & Rosen gegründet hatte (Haiger stieß erst Jahre später dazu und beerbte damals Verena Scheitz in der Frauenrolle), daneben schrieb er auch Sketches für das Kabarett Simpl und zwei Erfolgsstücke für das Wiener Metropol ("Pflanz der Vampire" und "Die Drei von der Tankstelle"). Dabei hatte Vavra, geboren am 26. September 1966 in Wien, eigentlich Jus studiert, das Studium aber kurz vor dem Magistertitel zugunsten der Kleinkunst abgebrochen.

Rätsel gab lange Zeit der Name seines Lebensprojektes Heilbutt & Rosen auf. Im Interview mit der "Wiener Zeitung" zu seinem 50er bekannte er, dass "sich das aus einem Studentenulk entwickelt hat". Vavra und Foeger hätten damals nicht gedacht, "dass wir je davon leben müssen, sonst hätten wir uns einen gescheiteren Namen ausgesucht. Wobei der Name wirklich sehr dämlich ist, das muss ich ehrlich sagen. Aber Heilbutt & Rosen ist für mich einfach eine Trademark für unseren Humor, auch wenn es wie ein jüdisches Geigenduo klingt", stellte er schmunzelnd fest. Assoziationen mit Monty Python und Loriot in Bezug auf Heilbutt & Rosen stellte Vavra nicht in Abrede, und sein frühes kabarettistisches Werk trug auch gewisse Züge der britischen Komikertruppe.

Im Laufe der Jahrzehnte entwickelte er freilich seinen ganz eigenen Stil - und seinen markanten Dackelblick - und machte Heilbutt & Rosen zu einer der bekanntesten österreichischen Musikkabarettgruppen. Wobei er sich inhaltlich auf Alltagssatire konzentrierte. Politisches Kabarett mied er eher, auch weil er - entgegen dem Mainstream - einer der wenigen nicht dezidiert linken Kabarettisten des Landes war, sondern sich als "von meiner Prägung her Christlich-Sozialer" bezeichnete. Und es war ihm wohl zuwider, sich von linken Kollegen in ein rechtes Eck stellen zu lassen, zumal als Mitglied zweier katholischer (nichtschlagender) Studentenverbindungen. Ist doch die Kirche neben der FPÖ ebenfalls ein dankbares Opfer für kabarettistische Rundumschläge. Außerdem hatte er Sorge, dass er falsch verstanden werden könnte, wenn er sich auf der Bühne ehrlich über die Politik auslassen würde: "Die Gefahr ist nicht die FPÖ, sondern die Gefahr ist, dass die anderen so schwach sind. Aber wenn du das sagst in Wien, dann schauen dich alle komisch an. Das ist nicht transportierbar", meinte er auf die Frage, warum er kein politisches Kabarett mache.

Dann also lieber das - zumindest vordergründig - leichte und lockere Musikkabarett von Heilbutt & Rosen. Da wusste Vavra, dass es bei seinen Fans gut ankam. Ebenso wie seine beiden Soloausflüge "Vavras Bettgeschichten" (2010) und "Che GueVavra" (2016), die zwar anders aufgebaut waren, aber denselben Humor pflegten. Seinem Publikum wird Vavra fehlen. Und nicht nur dem. Österreichs Kabarettszene hat einen Großen verloren, der sich selbst nie als solchen gesehen hat.