Es war im Jahr 1999, da nahmen Christoph Drexler und Lorenz Pichler alias Lollo (beide 1971 geboren) ihre erste gemeinsame CD auf. Alle Lieder darauf handelten von Skispringern. Bis 2003 folgten noch zwei weitere Alben mit "Schispringerliedern". Das ist jetzt auch schon wieder zwei Jahrzehnte her, und die Protagonisten sind allesamt längst in Pension. Nur Christoph & Lollo stehen immer noch auf der Bühne. Und zwar neuerdings wieder mit ihren "Schispringerliedern" aus der Jahrtausendwende.

Aber kann dieses Konzept funktionieren? Gibt es noch genug Leute, die hören wollen, was die beiden damals über längst vergangene Helden der Normal-, Groß- und Flugschanze gedichtet haben? Nun, zumindest die Premiere im Wiener Stadtsaal war fast ausverkauft. Und "eine Show ist heute ja leicht wieder abgesagt", meinen die beiden ironisch mit Blick auf Corona.

Aber damit ist eigentlich nicht zu rechnen, denn die Neigungsgruppe Skisprung sollte eigentlich groß genug sein für weitere erfolgreiche Auftritte. Auch wenn sie älter geworden ist, womit Christoph & Lollo ebenso kokettieren wie mit der Tatsache, dass auch selbst in die Jahre gekommen sind. Gemeinsam blickt man jedenfalls zurück und huldigt den einstigen Sportidolen.

Wobei huldigen – ein bisschen Respektlosigkeit muss schon auch sein. Ob der ewig mimikstarre Janne Ahonen, Espen Bredesen, dessen Hände "zitterten wie Espenlaub", der chronisch erfolglose Mika Laitinen, der stets belächelte Michael Edwards alias "Eddie the Eagle" und natürlich the one and only Kazuyoshi Funaki – alle werden sie durch den Kakao gezogen, bekannte und weniger bekannte Skispringer der 1980er und 1990er Jahre.

Manches ist freilich tatsächlich überholt. Zum Beispiel das Lied über den Finnen Janne Väätäinen – den damals einzigen Springer mit drei ä im Namen. Mittlerweile hat sich sein Landsmann Jarkko Määtä dazugesellt. Geschenkt! ÖSV-Springer kamen seinerzeit und kommen demnach auch heute übrigens nicht zu Ehren. Was vielleicht auch besser ist, denn die Nordischen hätten vielleicht nicht jede Textzeile über sie so lustig gefunden wie das Publikum im Stadtsaal, wären sie ihnen zu Ohren gekommen und für sie übersetzt worden. Ein Glück, dass es damals noch kein Youtube gab und die "Schispringerlieder" folglich kaum den Weg über die österreichischen Grenzen hinaus schafften. Wer weiß, welche Klagen sich Christoph & Lollo sonst eingefangen hätten. Zumindest vom niemals lachenden (und womöglich humorbefreiten?) Janne Ahonen.

Die beiden Musikkabarettisten und Skisprungfans bauen auch sehr viele Insider-Witze ein, die den älteren Semestern im Publikum umso mehr Spaß machen, und nehmen - teils nur für Feinspitze erkennbare - Anleihen etwa bei Jethro Tull ("Sie nennen ihn Milchgesicht" über Franci Petek) oder Led Zeppelin (mit einem "Stairway to Heaven"-Melodiezitat). Zwischendurch wird es auch bluesig, swingig, jazzig und balladig - das ganze mit viel Ironie und Klamauk. Da rennt der Schmäh, da fliegen die Pointen im V-Stil durch den Saal wie weiland Andi Goldberger zum Skiflugrekord. Nur eines ist schade: Einer, der sich absolut ein eigenes Lied verdient hätte, nämlich der ewige Mitspringer Roberto Cecon, hat immer noch keines bekommen. Und sie haben zwar ihre legendäre Funaki-Hymne um zahlreiche aktuelle Strophen erweitert, aber zumindest einem heutigen Skispringer hätten Christoph & Lollo schon auch ein neues Lied widmen können.