Die Oper im Steinbruch Margarethen setzt 2023 auf den berühmtesten Femizid der Operngeschichte: Georges Bizets "Carmen" soll ab 12. Juli die Musikfreunde ins Burgenland locken. Dabei setzt man auch auf einen großen Namen: Die lettische Starsopranistin Kristīne Opolais wird ihr persönliches Rollendebüt in der vielleicht bedeutendsten Mezzopartie des Genres feiern. "Das war ein sehr eigenartiges Angebot", erinnerte sich die 43-Jährige bei der Präsentation am Mittwoch.

"Irgendetwas hat mich an der Carmen immer gestört", machte die Lettin deutlich. Irgendetwas Vulgäres habe sie immer zurückschrecken lassen - bis Intendant Daniel Serafin auf der Szene erschien und ihr einen neuen Blickwinkel eröffnet habe. "Zwei Jahre hat es gedauert, Kristīne Opolais zu bezirzen", erinnerte sich der Margarethen-Chef an die lange Überredungsphase. "Das finale Argument war dann mein Ex-Mann Andris Nelsons (Stardirigent, Anm.), der mir gesagt hat: Nimm die Rolle an. Und ich vertraue seiner Intuition", begründete Opolais nun ihren Schritt.

Anders als Opolais ein alter Hase im "Carmen"-Geschäft ist hingegen der französische Regisseur Arnaud Bernard, der das Werk bereits mehrfach inszeniert und auch bereits in Verona gearbeitet hat. "Mein Ziel ist nicht, das Publikum zu schockieren", beruhigte der 56-Jährige und gab als Motto aus: "Keine Intellektualität!" Er persönlich hasse es, wenn die Zuschauer zuerst das Programmheft lesen müssten, um das Geschehen auf der Bühne zu verstehen.

Stilistisch platziert er das spanische Geschehen des 19. Jahrhunderts im Backstagebereich eines großen Filmstudios der 50er Jahre, wo gerade ein "Carmen"-Film aus der Zeit des spanischen Bürgerkriegs der 1930er gedreht wird. "Das bietet mir die Möglichkeit, spektakuläre Sequenzen zu machen, aber auch intime Szenen in den Vordergrund zu holen", begründete Bernard seinen Ansatz. Ein großer "Carmen"-Schriftzug im Stile des Hollywood-Schildes wird die Margarethen-Gäste am Kraterrand begrüßen. "Es ist immer wichtiger, sich auf das zu konzentrieren, was nicht in der Partitur niedergeschrieben ist", zitierte er Valerij Gergiev als Inspiration. (apa)