Nebel steigt aus der Kulisse, aber düstere Dartmoor-Stimmung kommt nicht wirklich auf. Denn das rasch erfolgende Hinscheiden von Sir Charles Baskerville in der ersten Szene fällt vorwiegend amüsant aus. In Ken Ludwigs "Baskerville", von Philip Dart einfallsreich für Vienna’s English Theatre inszeniert, wird der Roman "Der Hund von Baskerville" von Sir Arthur Conan Doyle zur reinen Komödie. Weil die Story zu bekannt ist, um noch thrillermäßig zu fesseln, setzt Dart auf reine Unterhaltung – nicht nur im Text, sondern auch in den Bewegungsabläufen bei Szenenwechseln, Kutschenfahrten, in einem Sturm oder bei einer Rangelei in Zeitlupe.

"Baskerville" ist am Vienna's English Theatre zu sehen.  
- © Vienna's English Theatre

"Baskerville" ist am Vienna's English Theatre zu sehen. 

- © Vienna's English Theatre

Dafür, dass dem Verbrecher, der sich das Erbe von Baskerville unter den Nagel reißen will, das Handwerk gelegt wird, sorgen ein recht arrogant wirkender Sherlock Holmes (Adam Elliott), hier mehr ein Opern- als Violinkonzertfreund, und sein treuer Helfer Doktor Watson (Anthony Glennon).

Viel Wandlungsfähigkeit wird den drei anderen Akteuren abverlangt, die in viele Rollen – vom Kleinkind bis zum Greis – schlüpfen müssen. Sie dürfen auch sprachlich unterschiedliche Akzente setzen, auf Englisch, aber auch mit ein wenig Deutsch oder Französisch (ein Hotelportier wirkt wie eine Hercule-Poirot-Karikatur). Ben Jacobson gelingt eine differenziertere Darstellung seiner Charaktere als Max Marston. Alle Frauenrollen – und noch ein paar andere – sind bei Ashley Tucker in den besten Händen. Alles in allem ein Theaterabend, der mehr Entspannung als Spannung bietet. Freundlicher, aber nicht übermäßiger Premierenapplaus.