Der Grat zwischen einem ordentlichen und einem herausragenden Opernabend ist oft schmal. Mitunter sind es aber auch viele schmale Grate, an denen sich ein Abend entscheidet, wie bei der aktuellen "Tosca"-Spielserie der Staatsoper.

Die gefeierte finnische Sopranistin Camilla Nylund sang dabei am Mittwoch ihre erste Wiener Floria Tosca. Mit ihrem dramatisch flackernden Sopran sorgte Nylund für glanzvolle Momente, wirkte jedoch mitunter angestrengt und fand zu keiner konzisen Rollengestaltung. Ebenfalls sein Wiener Rollendebüt gab der italienische Tenor Stefano La Colla als Cavaradossi. Er überzeugte mit seiner stimmlich ernsthaften und klaren Interpretation, blieb jedoch eindimensional. Dass Erwin Schrott ein Routinier als Scarpia ist, zeigte sich in den vielen kleinen musikalischen wie szenischen Nuancen, mit denen er die Partie sichtlich auskostete.

Die Inszenierung von Margarete Wallmann funktioniert auch in ihrer 633. Aufführung tadellos - vor allem, wenn sie von präsenten Darstellern wie Erwin Schrott musikalisch wieder präzisiert wird. Giacomo Sagripanti dirigierte einen Puccini nach Vorschrift. Seine Versuche, der Musik besonders viel Raum zu geben, waren nicht durchgehend von Erfolg gekrönt. Über große Teile schleppte sich die Partitur mehr voran als von der dieser Oper innewohnenden starken Dynamik voran getrieben zu werden.

Letztlich ein Abend der durchaus erfreulichen wie bejubelten Versatzstücke, die nicht zu einem großen Ganzen verschmolzen.