"Wer bis du?" und: "Kannst du beweisen, dass du bist, wer du bist?" Scheinbar simple Fragen, die mitunter hochkomplexe Antworten nach sich ziehen. Beispielsweise im Fall der indigenen Aktivistin, Feministin und Filmemacherin Icnoyotl Gonzalez, die auf offener Bühne als Identitäts-Schwindlerin entlarvt wird. Gonzalez kommt aus einer wohlhabenden, weißen Familie, der indigene Background ist frei erfunden.

Das ist die Ausgangssituation von Gin Müllers "Justitita! Identity Cases", uraufgeführt im brut. Angelehnt an Mithu Sanyals Roman "Identititti" (2021), stellt der Abend schwerwiegende Fragen auf überraschend leichtfüßige Weise: Ist es legitim, dass sich eine Weiße als Person of Color ausgibt? Die 90-minütige Performance erweitert den Blickwinkel hin zur Gender-Debatte: Wenn Geschlechtergrenzen fluid und non-binär werden, kann das auch für Hautfarben gelten?

Diese Überlegungen werden vor Gericht durchdekliniert. In sieben Episoden werden diverse Spielformen erprobt - vom Gerichts-Melodram, über TV-Gerichts-Serien bis hin zum Musical gelingt es Gin Müller, Sandra Selimović, Mariama Nzinga Diallo und Edwarda Gurrola zentrale Fragen rund um Identitätsdebatten, auf so amüsante wie tiefsinnige Weise zu beleuchten.